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175 Objekte online entdecken

Unsere Online-Sammlung stellt 175 ausgewählte Objekte und ihre Geschichte ins Rampenlicht. Neben vielen Tierpräparaten sind dies Pflanzen, aber auch Gesteine und Fossilien. Viele davon gelangten schon vor über 100 Jahren in den Besitz des Museums.

Viel Vergnügen bei Ihrem Online-Rundgang durch unsere Sammlungen!

Fotos: Chris Mansfield

Wie ein Pfeil
Ein sicherer Wert
Ohne Augen?
Papagei aus Nordamerika
Häufiges Fischfossil
Mit intensiver Duftnote
Auffälliger Kopfschmuck
Das Rösli vom Seentis
Unklare Herkunft
Neu entdeckte Mona Lisa
Vogel mit Kopfgeld?
Filigraner Fisch
Die Grösste Europas
Wenig verbreitet
Glanzstück
Pechschwarz?
Die Pflanzen Europas
Schwimmender Maulwurf?
In Bedrängnis
Der Anfang der Bäume
Fremdplatziert
Wimperntusche der Antike
2016 letztmals gesichtet
Unbeliebte Schönheit
Brillenglas?
Mehr Ziege als Schaf
Zeuge des Erdaltertums
Indiz mit Seltenheitswert
Spannende Mischung
Mit den Zähnen gehen?
Widerstandsfähig
Harzige Angelegenheit
Muschel mit Stiel?
Die artenreichste Familie
Verschollen geglaubt
Steinernes Chamäleon
Fundgrube der Botanik
Tiefblaue Schönheit
Zu üppig
180 Millionen Jahre alt
Neu in der Sammlung
Ziemlich unpraktisch
Ein Stück Eisberg?
Einfach erkennbar
Gern gefälscht
Reiner Fleischfresser
Im Sand vergraben
Wichtiger Zeitzeuge
10’000 Dollar für ein Foto?
Fast wie Glas
Rekordhalter
Besonders begehrt
Wenig erforscht
Noch heute zu entdecken?
In der Warteschlaufe
Verwandlungskünstler
Konkurrenzlos?
Farblich anpassungsfähig
Blutsauger?
Fast lebendig
Bissfest
Tatort Meeresgrund?
Mit etwas Patina
Chefsache
Närrisches Gold
Anders als andere
Doch kein Paradiesvogel?
Im Stein verewigt
Rarität aus dem Sumpf
Ausgespuckt
Ein echter St.Galler?
Gut erholt
Trügerisches Mineral
Haarige Sache
Mit voller Wucht
St.Galler Einzelstück
Mineral mit Haaren?
Ein Leben für die Botanik
Innerrhoden und das Meer
Seltener Fund
Weltweit begehrt
Zu Gast in Chur
Australisches Fundstück
Grüsse aus dem All
Weggeschwemmt
Ungeliebter Nager
In Reinform
text
Saisonaler Geniesser
Turmfrisur
Schwer-Transport?
Der Stein der Schwaben
Heimtückische Pflanze
Leichte Beute
Blutrot?
Chris Mansfield
Wie die Zeit vergeht…
Problematischer Ziervogel
Schnecken-Sandwich
Unter neuem Namen
Urzeitlicher Wald?
Prominent ausgestellt
Übrig geblieben
Sauber herausgeputzt?
Von Hand aufgezogen
Haizahn aus Staad (SG)
Fotomodell
Der Vulkan des Nachbarn
Regionale Botanik-Bibel
Lange unentdeckt
Drachenkopf?
Auffällig weiss
Beim Tunnelbau entdeckt
Später Fund
Blitzschnell ausgekühlt
Ganz ohne Chemie?
Haarpracht als Todesurteil
Ein Stück Seealpsee?
Wenn Essen zur Plage wird
Hüllenlos
Im Sammelfieber
Vom Gletscher überfahren
Besonders wertvoll
Definitiv angekommen?
Prachtexemplar
Fast ausgestorben?
Lange vor unserer Zeit
Musterstück?
Kräftig gesalzen
Das Werk einer Hexe?
Für Jäger ein Tabu
Streng geheim?
text
Seltener Wintergast
Chris Mansfield
St.Gallen am Meer?
Aus erfolgreicher Zucht
180 Kilometer Flug?
Frisch gepresst
Schwergewicht
Fliegengewicht?
Tropentier aus Haslen AI
Gut getarnt?
Wer ist der Erste?
Im Bauch des Gotthards
Einzelstück am Bodensee?
Am Ende der Kräfte
Fast 9000 Jahre alt?
Himmel und Hölle
Der Kleinste?
Der Fäulnis entronnen
Links oder rechts herum?
Ohne Ecken und Kanten
Für immer vereint?
Pelz am Ohr
Steinalter Cousin?
Feuer aus Stein
Mittelmeer oder Rheintal?
Muscheln im Wald
Aus dem Häuschen?
Koralle am Berg
Wirklich essbar?
Ausgezeichnet
Baustellenfund?
In der Tiefe geboren
Text
Völlig verirrt?
Uralter Fisch
Schweizer Goldstück?
Typisch Mittelland
Blumen aus der Büchse?
Einsamer Berggänger
Alter Panther?
Grün und regional
Schwarz oder weiss?
Wirbel mit Biss
100 Jahre vermisst?
Püppchen aus Stein
Relikt aus der Eiszeit?
Urmutter

Falco rusticolus (Gerfalke)

Der Gerfalke ist die weltweit grösste Falkenart und lebt in den Tundren der nördlichen Hemisphäre. Wegen seiner hohen Fluggeschwindigkeit im Horizontalflug wird er seit dem Mittelalter gerne in der Falknerei eingesetzt und gilt bis heute als besonders wertvoll. Entsprechend ist der Anteil wild lebender Gerfalken stark zurückgegangen, weshalb diese Falkenart heute unter strengem Schutz steht. Das Naturmuseum St.Gallen hat diesen Gerfalken 2021 im Tausch mit Schweizer Schneehühnern vom Naturmuseum Reykjavik erhalten. Diese wurden für eine wissenschaftliche Untersuchung zu Darmparasiten gesucht.

Sammlungen von Naturmuseen werden stetig erweitert, zunehmend stehen diese weltweit auch im Austausch untereinander. Ihre Bestände dokumentieren langfristig die Entwicklung von Arten, aber auch von sich verändernden Lebensräumen und ermöglichen wissenschaftliche Untersuchungen. Nur so können Naturmuseen ihrer Funktion als Naturarchiv gerecht werden.

Sammlungsnummer: NMSG-V7985

Gold Nugget

Gold hat die Menschen schon seit Urzeiten fasziniert. Es war eines der ersten Metalle, mit denen die Menschheit handelte, und es dient noch immer als sichere Wertanlage in Krisenzeiten. Seine Weichheit und besondere Farbe macht es ideal zur Schmuckherstellung. Als Edelmetall geht es praktisch keine Verbindungen mit anderen Elementen ein und kommt in der Natur nur in reiner («gediegener») Form vor – etwa als «Gold-Nuggets», wie in diesem Fall. Diese chemische Trägheit ist übrigens auch der Grund, warum man Gold (üblicherweise in Form von «Blattgold») grundsätzlich bedenkenlos essen kann.

Sammlungsnummer: NMSG-M4563.

 

Amblysomus hottentotus (Hottentotten-Goldmull)

Auch wenn Goldmulle grosse Ähnlichkeiten mit den Maulwürfen aufweisen, sind sie nicht näher mit ihnen verwandt. Als Grabtiere weisen sie charakteristische Grabhände auf und besitzen zudem keine äusserlich sichtbaren Ohren, keinen Schwanz und unter dem Fell verborgene Augen.  Der nachtaktive Goldmull lebt in der Kalahari-Wüste Afrikas und vergräbt sich dort im Sand. Wegen seiner niedrigen Stoffwechselrate und der effizienten Nierenfunktion reicht ihm die über die Nahrung aufgenommene Flüssigkeit aus. Unser Exemplar stammt aus einem Nachlass.

Sammlungsnummer: NMSG-V6573

Conuropsis carolinensis (Karolinasittich)

Auch Nordamerika besass bis in die 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts eine Papageienart: den Karolinasittich. Mit zunehmender Besiedlung Nordamerikas begannen seine ursprünglichen Lebensräume jedoch zu schrumpfen und er wich auf Feldfrüchte als Nahrungsgrundlage aus. Dies wurde ihm zum Verhängnis, da er in Schwärmen riesige Ernten vernichtete und von den Farmern deshalb bis zur Ausrottung gejagt wurde. Der letzte Karolinasittich in Gefangenschaft starb 1918 im Zoo von Cincinnati. Sammeldaten von Eiern aus dem Freiland deuten aber auf eine Existenz letzter Karolinasittiche im Jahr 1927 hin.

Sammlungsnummer: NMSG-V4773

 

Palaeoniscus freieslebeni (Knochenfisch)

Dieser auch Kupferschiefer-Hering genannte Knochenfisch zählt zu den häufigsten Fischfossilien weltweit. Er wurde im 18. und 19. Jahrhundert beim Abbau von Kupfererz-Lagerstätten in grosser Zahl gefunden. Dieses Exemplar stammt aus Eisleben in der Mansfelder Mulde, im Osten des Harzgebietes. Er ist rund 260 Millionen Jahre als.

Sammlungsnummer: NMSG-P 12399

Capra pyrenaica pyrenaica (Pyrenäen-Steinbock)

Der Iberien-Steinbock teilt sich in die vier Unterarten «Pyrenäen-Steinbock», «Lusitanischer Steinbock», «Ostspanischer Steinbock» und «Westspanischer Steinbock» auf. Erstere beide Unterarten gelten bereits als ausgestorben. Bei unserem Exemplar eines Pyrenäen-Steinbocks konnte der Besitzer die Präparationskosten nicht mehr tragen, weshalb er den Steinbock dem Naturmuseum überliess. Da dieser während der Brunftzeit starb, sondert er auch über zehn Jahre nach seinem Tod noch einen intensiven Geruch ab.

Sammlungsnummer: NMSG-V5860

Onychorhynchus coronatus (Kronenbekarde)

Diese Schuppenbrust-Kronenbekarde ist eine von vier Arten der Kronenbekarden. Ihr Lebensraum liegt zwischen Venezuela und dem nordwestlichen Brasilien. Besonders auffällig an diesem weitgehend bräunlich gefärbten Vogel ist der rote Fächer auf dem Kopf, der bei seltenen Gelegenheiten wie der Balz, nach der Paarung oder während der Reinigung zur Schau gestellt wird.

Sammlungsnummer: NMSG-V556

Petrocallis pyrenaica (Steinschmückel)

Der Steinschmückel (Petrocallis pyrenaica), den Einheimischen auch bekannt als «Seentis-Rösli», ist eine Besonderheit im Alpstein. Ein zierliches Pflänzchen, das rosa Felspölsterchen bildet und im Säntis- und Altmanngebiet an Kalkfelsen und in Felsschutt wächst. 1731 fand der Naturforscher Johannes Gessner den Steinschmückel als eine für die Schweiz neue Pflanze erstmals hier. Ausser in den Alpen kommt sie auch in den Pyrenäen und den Karpaten vor. Diese hochalpine Pflanzenart wächst in Höhenlagen bis 3400 Metern und bildet ein so genanntes »Hohlkugelkissen«. Dabei steckt ein holziges Stämmchen in einer Felsspalte, von dem bis zu 12 Zentimeter lange, wurzelnde Äste ausgehen. Im Inneren des Hohlkissens speichert das Pflänzchen Feuchtigkeit.

Sammlungsnummer: NMSG-P-10333

Topas

Topas ist ein häufiges Silikat-Mineral, das gelegentlich auch in Edelsteinqualität vorkommt und dann geschliffen wird. Es hat häufig eine bräunliche, klar oder bläuliche Farbe und besteht aus Aluminium, Silizium, Sauerstoff, sowie Beimengungen von Fluor und Kristallwasser. Die Herkunft des Namens ist unklar, könnte aber auf eine «Topazios» (heute Zebirget) genannte Insel im Roten Meer zurück gehen. Dort wurden einst Edelsteine (allerdings keine Topase) abgebaut. Der Name der Insel geht seinerseits auf «suchen» oder «vermuten» zurück. Vermutlich, weil die Insel oft in Nebel gehüllt und damit schwierig zu finden ist. Die wichtigsten Fundorte heute liegen in Brasilien, Sri Lanka, Russland und Nigeria.

Sammlungsnummer: NMSG-MG-510

 

Lagorchestes leporides (Östliches Hasenkänguru)

Eine unserer kürzlich entdeckten Mona Lisas der Sammlung: das Östliche Hasenkänguru. Wegen einer Ausleih-Anfrage eines Schülers für einen Känguru-Vortrag ist unser Präparator auf dieses als «Hasenspringer aus Neu Holland» bezeichnete Sammlungsobjekt aufmerksam geworden. Es handelt sich um ein Präparat aus der Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts. Besonders wertvoll ist es, weil das Tier 1889 letztmals gesichtet wurde und seither als ausgestorben gilt. Grund dafür war vermutlich die Einschleppung europäischer Arten wie Rotfuchs und Hauskatze.

Sammlungsnummer: NMSG-V1677

Callaeas cinereus (Südinsel-Kokako)

Diese nur in Neuseeland vorkommende Lappenkrähe wird Kokako genannt und war im 19. Jahrhundert noch weit verbreitet. Sie wird in zwei Unterarten eingeteilt: dem Südinsel-Kokako mit orangen Kehllappen und dem Nordinsel-Kokako mit blauen Kehllappen. Unser Exemplar ist ein Südinsel-Kokako, der seit den 60er-Jahren als ausgestorben gilt. Im Jahr 2017 wurde sogar ein Preisgeld von 5000 Neuseeland-Dollar auf seine Sichtung ausgesetzt – leider ohne Erfolg. Der Kokako des Naturmuseums lag viele Jahre ohne Sammlungsnummer und Glasvitrine in einer verborgenen Ecke unseres Archivs, bis er während des Umzuges in den Neubau vom Präparator entdeckt wurde.

Sammlungsnummer: NMSG-V5863

Saurichthys cf. curionii (Knochenfisch)

Der Monte San Giorgio im Tessin ist eine der weltweit bedeutendsten Fundstellen für Wirbeltier-Fossilien aus der Mittleren Trias. Aus diesen Meeresablagerung werden seit mehr als 100 Jahren gut erhaltenen Versteinerungen von Fischen und Meeressauriern geborgen. Dieser filigrane Knochenfisch stammt aus dem Valle Stelle und ist rund 240 Millionen Jahre alt.

Sammlungsnummer: NMSG-P 12658

Pachypasa otus (Glucke)

Um 1900 waren Insektenkenner oft auch Händler, um sich ein bescheidenes Leben am Existenzminimum zu sichern. Die Artenvielfalt der Museumssammlung wurde in dieser Zeit durch Ankäufe laufend erweitert. 1911 erwarb das Museum 605 Schmetterlinge in 246 Arten von Arnold Wullschlegel aus Martigny, darunter auch die grösste Glucke Europas: Pachypasa otus. Sein Nachruf in der Entomologischen Zeitschrift aus dem Jahr 1912 beschreibt ihn als liebenswerten und bescheidenen Menschen: «Aus grosser Bescheidenheit hat er persönlich wenig veröffentlicht, aber mit Favre bearbeitete er dessen Schmetterlingswerk und legte dort sein Wissen nieder».

Sammlungsnummer: IL

Aythya baeri (Baer-Moorente oder Schwarzkopf-Moorente)

Dieses Baer-Moorenten-Pärchen aus dem Mündungsdelta des Jangtsekiang Flusses in China wurde 1910 von Ernst Heinrich Zollikofer sehr lebensnah präpariert. Der Lebensraum dieser Tauchente liegt in einem kleinen Gebiet Ostasiens, die Art gilt als stark gefährdet. Ihr Name verweist auf den deutsch-baltischen Naturforscher und Mediziner Karl Ernst von Baer.

Sammlungsnummer: NMSG-V871 und NMSG-V872

Smaragd

Smaragd (englisch «emerald», französisch «émeraude», spanisch/portugiesisch «esmeralda») nennt man die grüne Varietät von Beryll. Beimengungen von Chrom und Vanadium lassen die Kristalle in ihrer typisch satten grünen Farbe erscheinen, die sie seit der Antike in vielen Kulturen weltweit zu begehrten und teuren Schmuckstücken gemacht hat. Der Name stammt ursprünglich aus semitischen Sprachen und bedeutet «glänzend». Die meisten Smaragde werden heute in Kolumbien und Brasilien abgebaut.

Sammlungsnummer: NMSG-MG-309

Marmatit

Marmatit ist eine pechschwarze Varietät des Minerals Sphalerit, ein Zinksulfid. Sphalerit baut gerne Eisenatome in seine Kristall-Struktur ein. Wenn es sehr viele Atome werden, kippt die Farbe des Sphalerits von durchscheinend bräunlich zu tiefschwarz – ab diesem Punkt spricht man dann von Marmatit. Oft tritt das Mineral zusammen mit Pyrit (Katzengold) auf, so dass attraktive, schwarz-goldene Mineralstufen entstehen können. Dieses Stück stammt aus der Mine Trepča bei Mitrovica im Kosovo.

Sammlungsnummer: NMSG-M4589

Europäisches Herbar von Caspar Tobias Zollikofer

Caspar Tobias Zollikofer (1774 – 1843) war eine der ersten und wichtigsten Schlüsselpersonen für die Naturwissenschaften in Stadt und Region St.Gallen. Obwohl mit seiner Haupttätigkeit als Arzt und mit diversen politischen Ämtern mehr als ausgelastet, fand er Zeit, sich mit der Botanik und anderen naturwissenschaftlichen Themen zu befassen. 1819 gründete er die heute noch aktive St. Gallische Naturwissenschaftliche Gesellschaft, der er bis zu seinem Tod als Präsident vorstand. Die etwa 2000 Belege in seinem «Europäischen Herbar» sind sorgfältig beschriftet und gehören zu den ältesten und wertvollsten im Naturmuseum. Ausserdem besass Zollikofer eine künstlerische Seite, wie seine über 1’000 Aquarelle und Bleistiftzeichnungen von Pflanzen und Insekten zeigen.

Galemys pyrenaicus (Pyrenäen-Desman)

Der Pyrenäen-Desman ist eine am Wasser lebende Maulwurf-Art mit einer zu einem Rüssel verlängerten Nase und Schwimmhäuten an den Hinterfüssen. Der ausgezeichnete Schwimmer ist nachtaktiv und ernährt sich von Insektenlarven, Krebstieren, Würmern, aber auch von Fischen und kleinen Nagetieren. Sein Verbreitungsgebiet liegt im Grenzgebirge zwischen Frankreich und Spanien, wo er auf saubere, schnell fliessende Gebirgsbäche angewiesen ist. Aufgrund seiner verborgenen Lebensweise kann er nur sehr selten beobachtet werden.

Sammlungsnummer: NMSG-V1275

Gymnogyps californianus (Kalifornischer Kondor)

Der Kalifornische Kondor kann eine Flügelspannweite von bis zu 3 Metern erreichen und ernährt sich fast ausschliesslich von Aas. Er geriet im 19 und 20. Jahrhundert stark in Bedrängnis, da er einerseits aktiv bejagt, aber auch passiv mit Pestiziden wie DDT vergiftet wurde. Erst ab 1988 gelangen erste Zuchterfolge, so dass 2019 wieder über 500 Tiere gezählt werden konnten. Rund zwei Drittel davon leben in freier Wildbahn. Unsere Sammlung enthielt lange einen Alt- und einen Jungvogel, Letzterer ist im Laufe der Zeit leider kaputt gegangen.

Sammlungsnummer: NMSG-V1781

Sphenopteris elegans (Samenfarn)

Die ersten Bäume entstanden im Devon vor rund 380 Millionen Jahren. Aus winzigen Vorläufern entwickelten sich im Laufe der Zeit Gewächse mit einem kräftigen Stamm und einer grossen, blatttragenden Krone. Zu diesen Gewächsen zählen auch die Samenfarne. Dieses Exemplar stammt aus einer Fundstelle in Deutschland.

Sammlungsnummer: NMSG-P 12320

Darwin-Wespe der Gattung Ophion (Ophioninae)

In der Welt der Insekten existieren nicht nur tagaktive, sondern auch nachtaktive Arten. Diese nachtaktive Darwin-Wespe zählt zu einer grossen Mehrheit innerhalb ihrer Unterfamilie der Ophioninae: sind in Europa doch alle bis auf zwei Arten nachtaktiv. Die Weibchen besitzen einen Legestachel, den sogenannten Ovipositor. Mit diesem platzieren sie ihre Eier in unterschiedlichste Schmetterlingsraupen, die erst kurz vor dem Schlüpfen der Darwin-Wespe sterben. Der Stachel wird bei den nachtaktiven Wespen auch zur Verteidigung genutzt und fühlt sich wie ein Nadelstich an, ist jedoch völlig ungiftig. Bei diesem Exemplar handelt es sich jedoch um ein Männchen, das keinen Legestachel besitzt und somit harmlos ist.

Stibnit

Stibnit, Antimonit, veraltet auch Spiessglanz oder Grauspiessglanz genannt, ist ein Antimon-Sulfid (chemische Formel Sb2S3). Das Mineral war schon in der Antike bekannt und wurde damals für die Herstellung von schwarzer Wimperntusche verwendet. Der Name leitet sich von griechisch «stibi» und lateinisch «stibium» für schwarzes Pulver ab. Das Element Antimon (Sb) verdankt sein ungewöhnliches Symbol dem Stibnit. Das Mineral ist bekannt für seine langen, stacheligen Kristalle, die in einem matten, metallischen Grau glänzen.

Sammlungsnummer: NMSG-M4616

Cyanopsitta spixii (Spix-Ara)

Der Spix-Ara ist eine kleine blaue Ara-Art, die seit je her eine kleine Verbreitung hatte. Der Handel mit Papageien führte dazu, dass die Art stark in ihrem Bestand schrumpfte, bevor sie unter Schutz gestellt werden konnte. Die letzte Sichtung in freier Wildbahn erfolgte 2016 in Brasilien. In Gefangenschaft gelingt die Zucht relativ gut, mittlerweile sind es fast 200 Vögel. Eine Wiederansiedlung erweist sich aber als sehr schwierig. Unser Präparat stammt aus einer Privathaltung. Er war ein wichtiger Zuchtvogel, der mitverantwortlich für die Entstehung einer guten Zuchtgruppe war.

Sammlungsnummer: NMSG-V7763

Reynoutria japonica (Japanischer Staudenknöterich)

Der Japanische Staudenknöterich (Reynoutria japonica) hat seine Heimat in Ostasien. 1825 wurde er als Zier- und Futterpflanze bei uns eingeführt – eine Aktion, die besser unterblieben wäre. Heute zählt der bis zu 3 Meter hohe Japanknöterich mit seinen weisslichen Blüten zu jenen Pflanzen, deren Bekämpfung oberste Priorität hat. Sie figuriert auf der Schwarzen Liste der invasiven Neophyten, also jener eingeschleppten Pflanzen, die sich auf Kosten einheimischer Arten effizient ausbreiten. Ihr dichter und schneller Wuchs verhindert das Aufkommen aller anderen Arten in ihrer Nachbarschaft. Ihre Bekämpfung ist sehr schwierig, weil sie mit unterirdischen Sprossen (Rhizomen) überwintert und selbst kleinste Stücke davon wieder auskeimen.

Beryll

Das Mineral Beryll, dessen Name sich aus dem griechischen «Beryllos» für «Edelstein» ableitet, bildet sehr harte, gut zu verarbeitende Schmucksteine. Es besteht aus einer Verbindung von Aluminium, Silizium, Sauerstoff und Beryllium. Beryllium ist ein sehr leichtes chemisches Element, dessen moderner Name sich vom Mineral Beryll ableitet, in dem es 1798 entdeckt wurde. Auch das Wort «Brille» leitet sich aus diesem Mineral ab, wurden doch die ersten Brillengläser daraus gefertigt. Beryll-Schmucksteine gibt es in vielen Varietäten, so zum Beispiel Heliodor (golden), Smaragd (grün) oder Aquamarin (blau).

Sammlungsnummer: NMSG-MG-305

Pseudois nayaur (Blauschaf)

Das Blauschaf ist in den zentralasiatischen Gebirgen in grossen Höhen zwischen 3000 und 5000 Metern über Meer beheimatet. Trotz seines Namens gehört es nicht zu den Schafen, sondern bildet mit dem Zwergblauschaf eine eigene Gruppe. Diese ist näher mit den Ziegen als mit den Schafen verwandt. Unser Präparat ist bereits sehr alt. Es wird vermutet, dass es um 1900 von Hermann H. ter Meer präpariert wurde. Heute ist das Blauschaf streng geschützt und die Einfuhr aufgrund verschiedener Krankheiten verboten.

Sammlungsnummer: NMSG-V330

 

Paradoxides bohemicus (Dreilappenkrebs)

Die Trilobiten oder Dreilappenkrebse waren eine sehr artenreiche Tiergruppe, welche im Erdaltertum in den Meeren weit verbreitet waren. Sie starben alle am Ende des Perms vor rund 250 Millionen Jahren aus. Die vorliegende Versteinerung stammt aus dem Mittleren Kambium der Fundstelle Skrej in Böhmen, Tschechei. Sie ist rund 500 Millionen Jahre alt.

Sammlungsnummer: NMSG-P 12028

 

Scotopteryx coarctaria (Ginsterheiden-Wellenstriemenspanner)

Sammlungsbelege ermöglichen auch Rückschlüsse auf das frühere Aussehen einer Region, wie hier im Fall des Ginsterheiden-Wellenstriemenspanners aus der Sammlung von Max Täschler. In seiner Arbeit «Grundlagen zu einer Lepidopteren-Fauna von St. Gallen und Appenzell» aus dem Jahr 1870 schreibt er: «…als einzelne Seltenheit im Juli 1866 in unserer Gegend gefangen…». Der Beleg lässt sich zweifelsfrei diesem Zitat zuordnen und führt zum Schluss, dass in der Umgebung von St.Gallen einst auch Ginster-Arten vorgekommen sind. Die Sammlung von Max Täschler umfasst rund 4800 Falter aus der ganzen Schweiz.

Sammlungsnummer: IL

Labradorit

Labradorit hat seinen Namen von der kanadischen Halbinsel Labrador, auf der er zum ersten Mal gefunden wurde. Er ist eigentlich kein eigenständiges Mineral, sondern ein «Mischkristall» aus zwei verschiedenen Mineralien, die sich auf der mikroskopischen Ebene abwechseln. Hält man einen Labradorit in einem ganz bestimmten Winkel, so sieht man ein seltsam metallisches Glänzen, meist in blauen, grünen oder violetten Farbtönen. Dieses «Labradoreszenz» genannte Phänomen entsteht durch die lamellenartigen Mikrokristalle. Eine besondere Variante des Labradorits sind die in Finnland gefundenen «Spektrolite», die je nach Lichteinfall in allen Farben des Regenbogens leuchten.

Sammlungsnummer: NMSG-M5142

Odobenus rosmarus (Walross-Schädel)

Der lateinische Name des Walrosses, Odobenus, verweist auf die auffällig langen Stosszähne dieser Raubtier-Art und bedeutet: der mit den Zähnen vorwärts Gehende. Dies geht auf die Tatsache zurück, dass sich Walrosse mithilfe der Zähne an Land ziehen können. Diese werden aber auch zur Verteidigung gegen Fressfeinde, als Kopfstütze oder zum Aufbrechen von Atemlöchern im Eis eingesetzt. Schädel werden im Naturmuseum gerne in der Wissensvermittlung eingesetzt, da sie viel über die Ernährungsgewohnheiten des Tieres verraten.

Sammlungsnummer: NMSG-V6260

Spinell

Spinell ist ein seltenes Mineral, das aus Magnesium, Aluminium sowie Sauerstoff zusammengesetzt ist und in den Farben rosa, violett, blau bis opak schwarz vorkommt. Der Name leitet sich vermutlich aus dem griechischen Wort für Funke bzw. funkeln ab. Ein älterer Name lautet daher auch «Karfunkelstein». Spinell und Rubin wurden früher häufig verwechselt: viele der vermeintlich grössten Rubine der Welt (etwa in royalen Schmuckstücken) stellen sich im Laufe der Zeit als Spinelle heraus. Spinell ist sehr hart, widerstandsfähig gegenüber Säuren und gleichzeitig kaum spaltbar, was ihn zum beliebten Schmuckstein werden lässt. In diesem Stück sind Wasser- und Gaseinschlüsse als kleinste Blasen erkennbar.

Sammlungsnummer: NMSG-MG-153

Gummi der Senegal-Akazie (Senegalia senegal)

Viele bedeutende Objekte in unserem Museum haben St.Galler Kaufleute im 19. Jahrhundert von ihren Geschäftsreisen aus aller Welt mit nach Hause gebracht.  So auch diese bernsteinfarbigen Stücke von Gummi arabicum aus Senegal. Es handelt sich dabei um Harz der Senegal-Akazie – eines ausgesprochen trockenheitsresistenten Strauchs aus den Savannen Afrikas. Zur Gewinnung von Gummi arabicum werden nach der Regenzeit Stamm und Zweige angeritzt: eine Prozedur, von der sich die Pflanze erst nach Jahren wieder erholt. Neben der technischen Verwendung wird Gummi arabicum heute oft als Verdickungsmittel bei Lebensmitteln oder für die Herstellung von Kosmetika verwendet.

Terebratula moutoni (Armfüsser)

Obwohl sie auf den ersten Blick fast wie Muscheln aussehen, sind die Armfüsser oder Brachiopoden ein eigener Tierstamm. Sie lebten bereits im frühen Erdaltertum vor 530 Millionen Jahren. Auch heute noch gibt es in den Meeren über 300 Arten der Armfüsser. Alle sind mit einem kurzen Stiel am Untergrund befestigt. Dieser versteinerte Armfüsser stammt aus dem Schrattenkalk bei Iberg im Kanton Schwyz und ist rund 120 Millionen Jahre alt.

Sammlungsnummer: NMSG-P 6370

Rüsselkäfer

Dieser wunderschöne exotische Rüsselkäfer stammt aus der Sammlung Wartmann. Die sehr artenreiche Käfersammlung aus der ganzen Welt enthält über 30’000 Exemplare in 240 Schubladen. Nach dem Tod von Dr. med. Theodor Wartmann aus Freiburg im Breisgau wurde 1905 das Testament erfüllt und die Witwe übergab die Sammlung dem Naturmuseum. Eine zukünftige Aufgabe wird die Inventarisierung und die taxonomische Revision dieser Käfer sein. Eine echte Herausforderung, da es sich um die artenreichste Tierfamilie der Welt handelt und sich nur wenige Fachpersonen mit dieser Käferfamilie beschäftigen!

Sammlungsnummer: IC

Calyptura cristata (Rubinkrönchen)

Diese nur rund acht Zentimeter grosse Vogelart aus Brasilien ist äusserst selten. Sie kommt noch in wenigen Waldstücken nördlich von Rio de Janeiro in Höhenlagen über 1000 Meter vor. Entsprechend ist die Art hochgradig bedroht. Bis ein brasilianischer Ornithologe erneut zwei Exemplare entdeckte, galt der Vogel mit dem kurzen, scharfen Ruf ab 1890 als verschollen. Vor wenigen Jahren hat das Zoologische Museum von São Paolo ein Bild von unserem Präparat angefordert.

Sammlungsnummer: NMSG-V3397

Fluorit blau / indigo

Fluorit-Kristalle (CaF2) findet man im Alpstein häufig: dort sind sie meist grün oder grün-blau. Dieser Fluorit, der aus Soria in Spanien stammt, ist blau / indigo-farben. Fluorit gibt es – je nach Beimengung bestimmter Spurenelemente – praktisch in allen Farben. Auch schwarze, weisse und transparente Exemplare sind bekannt. Gut erkennbar ist die klassische Würfelform, hier mit (natürlich) abgekanteten Ecken. Viele Fluorit-Kristalle leuchten unter ultraviolettem Licht («Schwarzlicht»): daher kommt auch die Bezeichnung «Fluoreszenz» für dieses Phänomen.

Sammlungsnummer: NMSG-M4683

Flora von Wartmann und Schlatter

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: so verhielt es sich auch mit Jacob Wartmann (1803 – 1873) und seinem Sohn Bernhard (1830 – 1902). Vater Wartmann, Naturkundelehrer am damaligen St.Galler Gymnasium, verfasste mit seiner «St.Gallischen Flora für Anfänger und Freunde der Botanik» 1841 als erster eine Übersicht über die St.Galler Pflanzenwelt. Sohn Bernhard – später Direktor an unserem Museum – trat in seine Fussstapfen und erweiterte vierzig Jahre danach mit Kollege Theodor Schlatter das noch bescheidene Werk des Vaters. Diese 568 Seiten starke «Kritische Übersicht über die Gefässpflanzen der Kantone St.Gallen und Appenzell» ist eine Fundgrube, die auch heute noch beigezogen wird, wenn es um die historische Verbreitung von Pflanzenarten unserer Region geht.

Saphir

In der Antike wurden alle blauen Edelsteine als «Saphire» bezeichnet. Heute sind damit vor allem die blauen Varietäten des Minerals Korund (Al2O3) gemeint. Es gibt aber auch «Gelbsaphire», «Grünsaphire», etc. –einzig «Rotsaphire» gibt es nicht. Diese werden stattdessen «Rubine» genannt. Der Name des Saphirs leitet sich vermutlich aus dem Aramäischen ab (Saphira = die Schöne). Am berühmtesten sind die tiefblauen Saphire aus dem Kashmir-Tal im Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan. 1902 wurde das «Verneuil»-Verfahren patentiert, mit dem synthetische Saphire in grossen Mengen kostengünstig hergestellt werden können. Dies kommt heute zum Beispiel bei kratzfestem Glas zum Einsatz. Von hohem Wert sind aber nur die Natursteine.

Sammlungsnummer: NMSG-MG-73

Capreolus capreolus (Rehbock)

Dieser Rehbock aus Sargans litt an einer Hodenkrankheit, welche die Ausschüttung von Testosteron verhinderte. Bedingt durch die Krankheit wucherte sein im Wachstum befindliches Geweih zu einem turmartigen Gebilde heran. Die Wucherungen des sogenannten Perückenbockes können sich über den gesamten Kopf erstrecken und auch die Augen bedecken. Das Tier ist in seiner Lebensweise stark behindert und verhungert am Ende. Die Krankheit endet somit immer tödlich.

Sammlungsnummer: NMSG-V5673

Hildoceras (Ammonit)

Das Departement Calvados liegt im Herzen der Normandie im Norden Frankreichs. Von hier stammt auch dieser Ammonit. Besonders an diesem Stück sind die mit Calcit gefüllten Kammern des schalenförmigen Gehäuses. Gefunden wurde der Ammonit in Ablagerungen der frühen Jurazeit, er ist damit rund 180 Millionen Jahre alt.

Sammlungsnummer: NMSG-P 6156

Unbestimmte Darwin-Wespe aus dem Pizolgebiet

Besonders artenreiche Gruppen wie die Darwin-Wespen – es wird von bis zu 100’000 Arten ausgegangen – sind oft nur wenig erforscht. Trotz ihrer weltweiten Verbreitung werden sie oft zu wenig wahrgenommen. Dieses Exemplar ist neu in der Museumssammlung und stammt aus einer aktuellen Bestandesaufnahme im Pizolgebiet. Eine wissenschaftlich interessante Sammlung lebt von ihrer ständigen Erweiterung. Aktuell finden immer weniger Objekte den Weg ins Museum, weshalb die heutige Diversität nicht mehr so abgebildet wird, wie sie eigentlich ist. Entsprechend wird die Forschung für künftige Generationen schwieriger werden.

Corvus frugilegus frugilegus (Saatkrähe mit Überschnabel)

Der markante Schnabel der Saatkrähe dient ihr als vielseitiges Werkzeug: er wird zum Graben, Hacken oder Stochern eingesetzt. Bei dieser Saatkrähe ist der Oberschnabel allerdings wesentlich länger gewachsen als normal. Im 19 Jahrhundert waren solche Abnormitäten gesucht und wurden gerne in den Naturalien-Kabinetts ausgestellt. Zu diesem Exponat ist damals sogar ein Artikel in einer Fachzeitschrift publiziert worden.

Sammlungsnummer: NMSG-V3076

Smithsonit

Smithsonit oder Zinkspat ist ein Zinkkarbonat (ZnCO3), das sich oft als Verwitterungsprodukt von Zink-Vererzungen bildet. Im Gegensatz zu vielen anderen Mineralen bildet es keine kantigen Kristalle. Stattdessen zeigt der Smithsonit typischerweise eine traubenförmige, nierenförmige oder «formlose» (keinen geometrischen Vorgaben folgende) Gestalt. In Kombination mit der hellblauen Farbe ergeben sich so Strukturen, die an Eisskulpturen erinnern.

Sammlungsnummer: NMSG-M4895

Lobaria pulmonaria (Lungenflechte)

Wer sich mit der Welt der Flechten bekannt machen will, fängt am besten mit der Lungenflechte (Lobaria pulmonaria) an: eine Art, die mit ihren grossen, olivbraunen Lappen keiner anderen Flechtenart gleicht. Während viele andere Flechtenarten nur mikroskopisch und chemisch einwandfrei zu bestimmen sind, ist die Lungenflechte einfach zu erkennen. Flechten nehmen in der belebten Welt eine Sonderstellung ein. Für eine Flechte braucht es zwei Partner aus zwei verschiedenen Reichen: einen Pilz und eine Alge. Da die Lungenflechte sehr empfindlich auf Luftschadstoffe reagiert, liegen ihre Vorkommen meist in höheren unbesiedelten Lagen, wie etwa im Obertoggenburg. Die Lungenflechte gilt, wegen ihrer hohen Ansprüche an die Luftqualität, auch als Indikator für intakte Ökosysteme.

Rubin

Der Rubin ist der wohl berühmteste Farbedelstein überhaupt. Er besteht, wie sein Verwandter, der Saphir, aus dem Mineral Korund (Al2O3), wobei beim Rubin kleine Beimengungen von Chrom zur charakteristisch roten Farbe führen. Am begehrtesten sind die «Taubenblut» Rubine, die einen leichten Blaustich zeigen. Rubin ist aufgrund seiner Härte, kräftigen Farbe und guten Verarbeitbarkeit seit der Antike als Schmuckstein sehr begehrt. Entsprechend sind viele verschiedene Imitate und Fälschungen auf dem Markt. Die berühmtesten Abbaugebiete befinden sich in Südostasien, vor allem in Myanmar (Burma).

Sammlungsnummer: NMSG-MG-48

Hydromys chrysogaster (Australische Schwimmratte)

Die Schwimmratte lebt im Osten Australiens und ist ein reiner Fleischfresser. Sie wird nur in wenigen Schweizer Zoos gehalten. Einer davon ist das Nocturama in Kerzers, von wo diese Schwimmratte nach ihrem Tod in unsere Sammlung aufgenommen wurde. Nur dank der wichtigen Zusammenarbeit mit Schweizer Zoos gelangen heute noch exotische Tiere in die Sammlungen der Museen. Auf diese Weise können sie präpariert werden und bleiben auch der Nachwelt erhalten.

Sammlungsnummer: NMSG-V7549

Studeria subcarinatus (Herzseeigel)

Seeigel gehören zum Stamm der Stachelhäuter. Sie sind eine uralte Tiergruppe, welche auch heute noch in den Meeren gut vertreten ist. Dieser versteinerte Herzseeigel stammt aus dem Neogen von Verona und ist etwa 30 Millionen Jahre alt. Deutlich sichtbar sind die fünfstrahligen Poren der Amulakralfüsschen. Mit diesen bewegt er sich im losen Sand fort, in dem er sich bis zu 20 Zentimeter tief vergraben kann.

Sammlungsnummer: NMSG-P 6466

Melitaea diamina (Baldrian-Scheckenfalter)

Dieser Falter steht für über 100 Baldrian-Scheckenfalter, die im letzten Jahrhundert gesammelt wurden und seither im Naturmuseum möglichst lange erhalten werden. Eine Auswahl dieser Falter nimmt an einer Studie der ETH Zürich teil, bei der unter anderem die genetische Vielfalt dieser Falter im letzten Jahrhundert analysiert wird. Durch den Vergleich mit aktuellen Belegen soll festgestellt werden, inwiefern sich die genetische Diversität in diesem Zeitraum verändert, hat.

Mehr Informationen zur Studie: https://gendivmon.ethz.ch/

Campephilus principalis (Elfenbeinspecht)

Der Elfenbeinspecht war der zweitgrösste Specht Nordamerikas. Doch bereits um 1880 galt er als bedroht, 1987 wurde die Spechtart das letzte Mal auf Kuba offiziell gesichtet. Obwohl im Mai 2006 ein Preisgeld von 10’000 US-Dollar für ein Foto eines Elfenbeinspechts ausgesetzt wurde, konnte seither kein Bild dieser Vogelart mehr gemacht werden. Entsprechend wird davon ausgegangen, dass der Elfenbeinspecht ausgestorben ist. Hauptgründe für den Rückgang sind die Rodung von Wäldern sowie die Trockenlegung von Sümpfen. Unser Präparat stammt aus einer Schulsammlung, die aufgelöst wurde.

Sammlungsnummer: NMSG-V5677

Muskovit-Stufe

Muskovit, «Moskauer Glas» gehört zu den Glimmer-Mineralien, die sich durch ihr flächiges, dünnblättriges Erscheinungsbild auszeichnen. Die Blätter lassen sich auch vorsichtig ablösen – und dann sogar biegen. Dank seiner hohen Hitzebeständigkeit und seiner Durchsichtigkeit kommt Muskovit noch heute gelegentlich bei Ofenfenstern zum Einsatz. Auch wenn kleine Muskovit-Kristalle relativ häufig in der Natur vorkommen, ist dieses riesige Stück «reiner» Muskovit eher ungewöhnlich.

Coco de Mer (Samen der Seychellenpalme)

Im Indischen Ozean vor der Ostküste Afrikas liegen die Seychellen – ein beliebtes Urlaubsziel für Sonnenhungrige. Neben Traumstränden und tropisch warmem Klima hat die Inselgruppe aber auch botanisch etwas zu bieten. Auf zweien der 115 Inseln gedeiht die Seychellenpalme (Lodoicea maldivica), eine Palmenart, die sonst nirgends vorkommt. Diese produziert den grössten und mit bis zu 25 kg schwersten Samen des gesamten Pflanzenreichs. Die Samen – auch Coco de Mer genannt – sind so gross, dass daraus auch Essgeschirr hergestellt wird. Heute gibt es nur noch etwa 8’000 Seychellenpalmen: entsprechend wird die Art als stark gefährdet eingestuft.

Alexandrit

Alexandrit, benannt nach dem russischen Zar Alexander II, ist eine Variante (Varietät) von Chrysoberyll (chemische Formel BeAl2O4). Er ist berühmt dafür, dass er unter Tageslicht grünlich, unter Kunstlicht jedoch rötlich erscheint. Dieser «Farbwechsel» macht ihn zu einem der begehrtesten und teuersten Edelsteine überhaupt. Das zieht auch Betrüger an: «synthetische Alexandrite», bei denen es sich um Saphirglas («kratzfestes Glas») mit Vanadium-Zusatz handelt, werden in Produktionsgebieten gerne Touristen angeboten. Meist fehlt der Hinweis auf den künstlichen Ursprung, um einen viel zu hohen Preis verlangen zu können.

Sammlungsnummer: NMSG-MG-44

Neofelis nebulosa (Nebelparder)

Dieser Nebelparder lebte einst in einem Schweizer Zoo, was heute wegen ihrer komplizierten und aufwändigen Haltung nicht mehr möglich ist. Leider wurde das Fell während der Abklärung der Todesursache beschädigt und auch der Schwanz fehlte bereits zu Lebzeiten. Ursprünglich stammt die Grosskatze aus Südostasien, wo ihre Bestände aber aufgrund von Wilderei und Vernichtung des Regenwaldes stetig kleiner werden. Über die Lebensgewohnheiten dieser scheuen, kaum erforschten Katze ist nur wenig bekannt.

Sammlungsnummer: NMSG-V6932

 

Mesolimulus walchi (Pfeilschwanzkrebs)

Pfeilschwanzkrebse gibt es schon seit 450 Millionen Jahren. Vier Arten leben heute noch in den flachen, sandigen Küstengewässern Südostasiens, der Westküste Nordamerikas und im Golf von Mexiko. Dieses Exemplar stammt aus dem Oberen Jura vom Blumenberg bei Eichstätt im Deutschen Altmühltal. Es ist rund 150 Millionen Jahre alt. Das Fossil ist Teil der Sammlung Oscar Stäheli, welche dem Naturmuseum 2008 geschenkt wurde.

Sammlungsnummer: NMSG-P 2123

 

Lygaeus equestris (Ritterwanze)

Wanzen werden in der Insektenforschung seit je her stiefmütterlich behandelt. Zu Unrecht, ist diese Insektengruppe doch sehr attraktiv und vielfältig! Stellvertretend wird hier ein Exemplar der Ritterwanze aus der noch bescheidenen Wanzensammlung des Naturmuseums präsentiert. Sie ist Teil der Schweizer Wanzensammlung von Hans Hugentobler, der in den 1960er-Jahren sechs Wanzenkästen vorbereitete. Alle Artnamen sind vorgedruckt, doch nur bei wenigen ist ein Belegtier vorzufinden. Entsprechend ist die Insektengruppe der Wanzen für ein zukünftiges Forschungsprojekts des Naturmuseum vorgemerkt.

Sammlungsnummer: IHE

Kyanit / Disthen

Kyanit, etwas veraltet auch Disthen genannt, ist ein meist tiefblaues Mineral, das man auch in den Schweizer Alpen findet (Formel Al2SiO5). Dieses Exemplar stammt jedoch vom Brandberg (Dâures in der Lokalsprache Damara), dem höchsten Berg in Namibia. Kyanit, dessen Name sich vom blauen Farbton Cyan ableitet, ist bekannt dafür, dass seine Härte stark von der Richtung abhängt. In eine Richtung ist er weich und leicht spaltbar, quer dazu ist er hart wie Quarz. Kyanit ist ein Verwandlungskünstler: je nach Druck und Temperatur kann er sich in Sillimanit oder Andalusit umwandeln, zwei komplett andere Minerale gleicher chemischer Zusammensetzung.

 

Sammlungsnummer: NMSG-M5060

Myricaria germanica (Deutsche Tamariske)

Die Deutsche Tamariske (Myricaria germanica) ist zurzeit im Kanton St.Gallen nicht mehr zu finden. Es handelt sich aber um eine Art, die kommt und geht. Sie ist angewiesen auf neue Kiesbänke, die noch nicht von anderen Pflanzen besiedelt sind. Als absolute Pionierpflanze verabscheut sie Konkurrenz, da sie schnell von Weiden und anderen Arten verdrängt wird. Letztmals gesichtet wurde sie 2015 auf einer Kiesbank am Rhein bei Trübbach, welche aber bei einem Hochwasser samt den Tamarisken weggespült wurde. Die Chance auf die Rückkehr dieser Uferpflanze ist jedoch intakt, da sie auf der gegenüberliegenden Seite bei Balzers im Fürstentum Liechtenstein noch vorkommt.

Chrysoberyll

Chrysoberyll ist ein Oxid-Mineral mit der chemischen Formel BeAl2O4. Mit dem ebenfalls als Schmuckstein verwendeten Silikat-Mineral Beryll ist es nicht direkt verwandt, obwohl in beiden Mineralien das Element Beryllium vorkommt. In reinster Form ist Chrysoberyll farblos, durch Beimengungen von Chrom und Eisen kann sich die Farbe aber ins grünliche, grün-gelbliche und goldene verschieben. Der Name leitet sich vom griechischen Wort «Chrysos» = Gold ab. Abgebaut wird Chrysoberyll in Edelsteinqualität heute in Brasilien, Indien, Myanmar, Madagaskar und Sri Lanka.

Sammlungsnummer: NMSG-MG-41

cf. Haemopis sanguisuga (Pferdeegel)

Egel stossen meist nicht auf grosse Begeisterung, gehören aber als wichtiger Teil der Biodiversität in unsere Museumssammlung. Obwohl sie nicht genauer bestimmt sind, handelt es sich wahrscheinlich um Pferdeegel. Diese saugen im Gegensatz zu ihren nahen Verwanden – den Blutegeln – kein Blut, da ihre Bezahnung dafür zu schwach ist. Das Beutespektrum besteht aus Insektenlarven, Würmern oder auch Fischeiern. Entsprechend sind sie für den Menschen harmlos und bevorzugen als Lebensraum sehr feuchte Wiesen mit Gewässeranschluss.

Pongo pygmaeus (Borneo-Orang-Utan)

Diese zwei jungen Orang-Utans wurden vom berühmten Tierpräparator Hermann H. ter Meer präpariert. Er gilt als einer der ersten Dermoplastiker, entwickelte er doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine neue Präparationstechnik. Über ein Stützgerüst wurde ein Nacktmodell aus einer Masse hergestellt und anschliessend die gegerbte Haut aufgezogen. Diese Technik wird in überarbeiteter Form bis heute zur Präparation von Säugetieren angewendet. Wegen seiner Zusammenarbeit mit dem in St.Gallen tätigen Präparator Ernst Z. Zollikofer, besitzt das Naturmuseum einige Präparate des niederländischen Tierpräparators.

Sammlungsnummer: NMSG-V0247 und NMSG-V0248

Otodus megalodon (Heringshai)

Der Besitzer dieses Zahns war ein riesiger Heringshai. Seine maximale Länge wird auf 18 Metern geschätzt. Damit war er dreimal so lang wie der grösste Weisse Hai. Dieser Zahn wurde im Steinbruch Steinhof in Othmarsingen-Dottikon, AG, im Mägenwiler Muschelkalk gefunden und stammt aus der Oberen Meeresmolasse. Er weist ein Alter von rund 20 Millionen Jahren auf. Damals war das Mitteland von einem seichten Meeresarm bedeckt.

Tridacninae (Riesenmuscheln)

Lange hielt sich der Irrglaube, dass Mördermuscheln Taucher bis zum Ertrinken festhalten. Doch die mit einem Gewicht von bis zu 200 Kilogramm und einer Länge von über einem Meter grösste Muschel der Welt ist wesentlich harmloser als ihr Spitzname. Auch wenn sich ihre beiden Hälften mit enormer Kraft schliessen, bleibt genügend Zeit, um Hände oder Füsse rechtzeitig aus der Muschel zu ziehen. Das Verschliessen der Muschelhälfte ist ein reiner Schutzmechanismus, der die Riesenmuscheln (Tridacninae) allerdings nicht vor der zunehmenden Verschmutzung, Überfischung und anderen Gefahren bewahrt. Entsprechend ist sie stark vom Aussterben bedroht.

Kupfer, gediegen

Kupfer ist eines der wenigen Elemente, das in der Natur in gediegener oder «reiner» Form vorkommt, also ohne Verbindung zu anderen Elementen. Es bildet dann gern verästelte, flächige, blasige Formen. Wird gediegenes Kupfer der Atmosphäre und dem Regen ausgesetzt, bildet sich an der Oberfläche eine grün-graue Mischung von Kupfer-Karbonaten, -Sulfaten, -Chloriden und -Hydroxiden, die zusammen als «Patina» bezeichnet werden. Diese (übrigens ungiftige) Schutzschicht ist auf jedem grün verfärbten Kirchturmdach zu beobachten, etwa bei der Kirche St.Maria Neudorf gleich neben dem Naturmuseum.

Sammlungsnummer: NMSG-M4572

Botanische Sammlung Wartmann

Bernhard Wartmann (1830 – 1902) war eine der Leitfiguren der Naturwissenschaften in Stadt und Kanton St.Gallen im 19. Jahrhundert. So präsidierte er lange die St.Gallische Naturwissenschaftliche Gesellschaft, war Professor für Naturkunde an der Kantonsschule und leitete als Direktor das Naturmuseum während fast 30 Jahren. Dazu gründete er den ersten Botanischen Garten der Stadt im heutigen Stadtpark. Neben all diesen Aufgaben fand er auch noch Zeit für die Botanik. Sein umfangreiches Herbar umfasst rund 20’000 Belege. Einer davon ist das seltene Bodenseevergissmeinnicht (Myosotis rehsteineri), welches Wartmann erstmals als selbständige Art erkannte.

Pyrit-Würfel

«Der ist aber geschliffen, oder?» ist die häufigste Frage, die in unserem Museumsshop zu hören ist, wenn wieder ein Pyrit-Würfel in der Auslage liegt. Aber Pyrit, auch unter dem Namen «Katzengold» oder «Narrengold» bekannt, wächst tatsächlich natürlicherweise meist in Würfelform. Auch Dodekaeder oder Oktaeder kommen gelegentlich vor, ebenso Kugeln und «Pyrit-Sonnen». Chemisch handelt es sich bei diesem relativ häufigen Mineral um Eisensulfid (FeS2). Doch ein so massives Stück wie dieses hier sieht man nicht alle Tage!

Sammlungsnummer: NMSG-M4626

Marmota monax (Waldmurmeltier)

Das im Flachland Nordamerikas beheimatete Waldmurmeltier ist normalerweise bräunlich-grau-schwarz gefärbt. Bei diesem Tier handelt es sich um eine seltene Form mit einer durchgehenden Schwarzfärbung (Melanismus). Anders als ihr deutscher Name vermuten lässt, leben Waldmurmeltiere eher auf Freiflächen und in der Nähe von Waldrändern als im Wald. Im Gegensatz zu anderen Murmeltier-Arten haben die Bestände des Waldmurmeltiers in den letzten Jahrzehnten zugenommen, da sie von der zunehmenden Abholzung der Wälder profitieren.

Sammlungsnummer: NMSG-V7707

Macgregoria pulchra (Lappenhonigfresser)

Diese spezielle Vogelart kommt nur in den Bergwäldern des Hochgebirges von Neuguinea vor. Bis zum Jahr 2000 wurde die etwa krähengrosse Art den Paradiesvögeln zugerechnet, seither zählt sie zur Familie der Honigfresser. Bis heute sind erst drei der grossen, napfförmigen Nester wissenschaftlich beschrieben worden. Nur eines davon enthielt ein Ei, welches eine weinrötliche Schale mit violettgrauen Flecken enthielt. Über die Entwicklung der Nestlinge ist immer noch sehr wenig bekannt.

Sammlungsnummer: NMSG-V4890

Diplomystus dentatus (Knochenfisch)

Dieser heringsartige Knochenfisch wurde vom St.Galler Urzeitforscher Urs Oberli nahe der Ortschaft Kemmerer in Wyoming, USA, gefunden und präpariert. Das Skelett ist vollständig erhalten und rund 50 Millionen Jahre alt. Der nach oben weisende Mund deutet darauf hin, dass dieser Fisch seine Beute vor allem an der Wasseroberfläche suchte. Der Fund stammt aus der Green River Formation, einem Gesteinsverband aus dem Eozän, der aus Ablagerungen ursprünglich miteinander verbundener Seen besteht.

Sammlungsnummer: NMSG-P 6543

Diachrysia nadeja (Goldeule)

Bei der Inventarisierung der Pflanzen und Tiere des Ruggeller Rietes im Jahre 1980 untersuchte der Entomologische Verein Alpstein die Schmetterlinge. Dabei konnte unter anderem die Goldeule in grösserer Zahl nachgewiesen werden. Eine Seltenheit, die schweizweit nur im Rheintal und in der Magadinoebene gefunden wurde! Die Belege befinden sich in unserer Schmetterlingssammlung sowie im Depot der Naturkundlichen Sammlung Fürstentum Lichtenstein in Triesen.

Sammlungsnummer: IL

Vulkanische Bombe

Bei Vulkanausbrüchen wird geschmolzenes Gestein (Magma) mit hoher Geschwindigkeit aus dem Vulkankegel geschleudert – die Lava-Fontänen können Höhen bis zu einigen hundert Meter erreichen. Grössere Gesteinsfetzen aus solchen Auswürfen werden durch ihre Drehung gerundet, erstarren hoch in der Luft und fallen als starre, heisse Gesteinsblöcke nieder – diese nennt man auch «Vulkanische Bomben». Für den unbedarften Zuschauer eines Vulkanausbruchs, der sich zu nahe an den Krater heranwagt, können solche Bomben lebensgefährlich werden. Diese Bombe hier fiel beim «Capelinhos»-Ausbruch im Jahr 1957 auf der Insel Faial in den Azoren.

Gentiana pannonica (Ungarischer oder Ostalpen Enzian)

Wer nur den Namen dieser schönen Pflanze hört, würde den Ungarischen Enzian (Gentiana pannonica) nicht im Kanton St.Gallen suchen. Trotzdem ist er eine St.Galler Spezialität, kommt er doch ausserhalb des Kantons fast an keinem anderen Ort der Schweiz vor. Die eigentliche Heimat des Ungarischen Enzians liegt aber viel weiter östlich – in den Ostalpen und in den Karpaten bis hinein nach Ungarn und Rumänien. Bei uns ist er in den Churfirsten zu finden, am absolut westlichsten Rand seines Verbreitungsgebiets. Weiter westlich wird er vom Purpur-Enzian (Gentiana purpurea) abgelöst, der dem Ungarischen zum Verwechseln ähnlich sieht.

Sammlungsnummer: NMSG-P-125

Lynx pardinus (Pardelluchs)

Der Pardelluchs lebt ausschliesslich in Portugal und Spanien. Er ernährt sich vor allem von Rothühnern und Wildkaninchen. Als 1950 eine eingeschleppte Kaninchen-Krankheit die Beutetiere dezimierte, verkleinerte sich der Bestand dramatisch. Zählungen von 2002 ergaben weltweit 52 Luchse. Seither hat Spanien viel investiert und Korridore zu den einzelnen Populationen geschaffen. 2012 gab es bereits wieder 156 Luchse, 2021 beinahe 1000, Tendenz steigend. In Portugal scheint der Pardelluchs ausgestorben zu sein.

Sammlungsnummer: NMSG-V1616

Sphalerit

Sphalerit ist chemisch ein Zinksulfid und ökonomisch eines der wichtigsten Zink-Erze weltweit. Der Name ist dem griechischen Wort «sphaleros» = trügerisch entlehnt, weil Sphalerit oft mit Galenit (ein Bleisulfid) verwechselt wird. Das Mineral ist weich, spröde und hitzeempfindlich, weshalb es selten als Schmuckstein Verwendung findet. Roh ist Sphalerit meist braun oder schwarz, geschliffen zeigt er einen tiefroten bis leicht bräunlichen Farbton, der an den Rubin erinnert. Deshalb wird er manchmal auch als «Rubinblende» bezeichnet. Wie alle Edelsteine dieser Auswahl stammt auch dieses Stück aus der Sammlung von Dr. Bertold Suhner, die das Naturmuseum St.Gallen im Jahr 2004 übernehmen konnte.

Sammlungsnummer: NMSG-MG-9

Mammuthus primigenius (Wollhaarmammut)

Im auftauenden Permafrost werden schon seit Jahrzehnten immer wieder Reste von Wollhaarmammuts gefunden. Diese Schwanzhaare stammen vom sogenannten Berjosowka-Mammutkadaver, der 1900 entdeckt und später durch Eugen Wilhelm Pfizenmayer und Otto Herz geborgen wurde. Das präparierte Tier befindet sich im Zoologischen Museum in St.Petersburg.

Rhinoplax vigil (Schildhornvogel)

Die Besonderheit an dieser Nashornvogelart ist der solide Elfenbeinteil des Oberschnabels. Damit duellieren sich die männlichen Vögel im Flug: hoch über dem asiatischen Regenwald fliegen sie aufeinander zu und prallen gegenseitig mit voller Wucht auf den Oberschnabel des Rivalen. Der Aufprall ist weit zu hören, wurde aber bisher noch nie gefilmt. Leider wird diese Nashornvogelart wegen ihres Elfenbeins gewildert, welches auf dem Schwarzmarkt illegal verkauft wird.

Sammlungsnummer: NMSG-V2251

Coenonympha oedippus (Moor-Wiesenvögelchen)

Das Moor-Wiesenvögelchen kommt innerhalb der Schweiz zurzeit nur noch im Kanton St.Gallen vor. Ausserhalb der Kantonsgrenze wurde es letztmals im Jahr 1935 im Tessin gesichtet. Belege aus unserer Museumssammlung beweisen, dass der Falter bereits lange im Kanton St.Gallen heimisch ist. Heute ist das Moor-Wiesenvögelchen vom Aussterben bedroht, weshalb der Kanton Massnahmen zu dessen Erhalt ergriffen hat. Ein wichtiger Teil der Sammlungsarbeit ist die Bewahrung von Belegen, um Veränderungen rückwirkend nachvollziehen zu können.

Sammlungsnummer: NMSG-IL80851

Asbest

Nur wenige Mineralien sind so oft in den Schlagzeilen wie der «Asbest». Das natürliche Mineral aus der Gruppe der Silikate wurde einst auch als «Bergflachs» oder «Amiant» bezeichnet. Mit seiner faserigen, haarähnlichen Struktur kommt es in metamorphen Gesteinen vor, die ursprünglich zur ozeanischen Kruste gehörten und über längere Zeit hohem Druck und hoher Temperatur ausgesetzt waren. Der natürliche Asbest diente als Ausgangsmaterial für das gleichnamige Industrieprodukt. Wegen seiner Hitze- und Säurebeständigkeit sowie seiner hohen Zugfestigkeit war es als Baustoff lange sehr begehrt. Dieses Stück stammt aus dem Urserental im Kanton Uri.

Das Weltherbar von Pfarrer Rehsteiner

Es soll die grösste, heute noch erhaltene botanische Sammlung der Schweiz sein, die von einer einzigen Person zusammengetragen worden ist. Es handelt sich um etwa 20’000 gepresste Pflanzen, die Pfarrer Johann Konrad Rehsteiner (1797–1858) im Verlauf seines Lebens aus aller Welt zusammengetragen hat. Diese sind säuberlich auf Herbarbögen montiert, systematisch geordnet und in 200 grossformatigen Bänden, die in der botanischen Sammlung des Naturmuseums lagern, abgelegt. Rehsteiner war zuletzt Pfarrer in Eichberg, wo er anscheinend genug Musse fand, sich neben seinen pastoralen Aufgaben mit Hingabe der Pflanzenkunde zu widmen.

Conotomaria puncticulosa (Meeresschnecke)

Nach dem grossen Massenaussterben am Ende der Kreidezeit erholte sich das Leben auf der Erde Schritt um Schritt. Aus dieser frühen Zeit der Erdneuzeit finden sich im Gebiet der Fähnern, Kanton AI, fossilreiche Meeresablagerungen. Aus diesen stammt auch dieser Steinkern einer kegelförmig gebauten Meeresschnecke.

Sammlungsnummer: NMSG-F7059

Apodemus alpicola (Alpenwaldmaus)

Dies ist der erste und einzige Nachweis einer Alpenwaldmaus im Kanton St.Gallen. Sie wurde im Oktober 2017 in einer Berghütte auf rund 1600 m ü.M. im Calfeisental gefangen. Bei der Alpenwaldmaus handelt es sich um eine endemische Art des Alpenraumes. Sie kommt vor allem im zentralen Alpenbogen vor, in der Schweiz ist sie im Kanton Graubünden häufig. Bei der Nahrungswahl unterscheidet sie sich nicht von anderen Arten ihrer Gattung. Im Frühjahr besteht diese vorzugsweise aus Insekten, im Sommer und Herbst hauptsächlich aus Samen von kleinen, krautigen Pflanzen.

Sammlungsnummer: NMSG-V6992

Diamant

Diamant ist das härteste bekannte Mineral und in seiner natürlichen Form, bei hoher Reinheit, auch ein weltweit begehrter Edelstein. Diamant besteht aus Kohlenstoff (C), der unter extrem hohem Druck und hoher Temperatur in hunderten von Kilometern Tiefe in eine spezielle, superstabile Kristallform gepresst wurde. Eine seltene Form von Vulkanen, sogenannte Kimberlit-Schlote, beförderten die Diamanten danach aus dieser Tiefe in die Nähe der Erdoberfläche, wo sie abgebaut werden können. Dieser klare Rohdiamant stammt aus Südafrika.

Sammlungsnummer: NMSG-M48

Buteo lagopus (Raufussbussard)

Mit einer Vorliebe für den hohen Norden ist der Raufussbussard nur gelegentlich in der Nähe der Schweizer Grenze zu entdecken. Die wenigen Nachweise dieses Zugvogels stammen primär vom Grossen Moos im Berner Seeland. Als Einzelfall gilt dieses historische Exemplar: es ist aus Chur. Das Funddatum ist unbekannt, die Präparationsart weist jedoch auf den Zeitraum von 1920 bis 1940 hin. Die Bezeichnung «Rau» bedeutete ursprünglich «haarig» oder «befiedert» und weist darauf hin, dass die Füsse dieser Art bis zu den Zehen befiedert sind.

Sammlungsnummer: NMSG-V5792

Strombus sp. (Fechterschnecke)

Australien als Reiseziel übte schon früh einen grossen Reiz aus. Othmar Rietmann, St.Galler Lehrer und langjähriges Mitglied der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, verbrachte sechs Jahre seines kurzen Lebens (1831–1869) vor Ort. Vor seinem Tod reiste er 1868 ein letztes Mal nach Australien. Während seiner Aufenthalte sammelte er vor Ort unzählige Mollusken, Vogelbälge und Pflanzen. Darunter auch die beiden Conchilien – wie sie einst noch genannt wurden –, die er an einem Strand bei Port de France entdeckte. Sein Reisebericht «Wanderungen in Australien und Polynesien» ist heute als Taschenbuch erhältlich.

Meteorit von Tscheljabinsk

Am frühen Morgen des 13. Februars 2013 zog eine «zweite Sonne» über den Himmel der russischen Stadt Tscheljabinsk – und explodierte in einer gewaltigen Detonation, die die Energie von ca. 40 Hiroshima-Bomben freisetzte. Unzählige Fensterscheiben gingen zu Bruch und etwa 1500 Menschen wurden von Scherben verletzt. Was war geschehen? Ein ca. 20 Meter grosser Himmelskörper war in die Atmosphäre der Erde eingetreten und zum grössten Teil verbrannt – ein ca. 500 kg schweres Stück fiel in den Tschebarkul-See, unzählige kleinere Meteoriten regneten zu Boden. Dieses Stück des heute «Tscheljabinsk» genannten Meteoriten zeigt das typische Aussehen: eine teilweise gerundete Form, überzogen von einer schwarz-braunen, nur Millimeter dünnen Schmelzkruste, die stellenweise den Blick auf ein helleres Inneres freigibt.

Sammlungsnummer NMSG-G8.

Typha minima (Kleiner Rohrkolben)

Der Kleine Rohrkolben ist heute aus unserem Kanton leider ganz verschwunden. Er ist der kleine Bruder des heute noch überall an Teich-, Fluss- und Seeufern anzutreffenden Schmalblättrigen Rohrkolbens (Typha latifolia) und unterscheidet sich von diesem durch seinen kugelförmigen statt länglichen Fruchtstand. Noch vor 100 Jahren wurde berichtet, dass er im Rheintal «von der Bündner Grenze bis zum Bodensee stellenweise massenhaft» vorkomme. Der letzte Bestand am Rhein auf einer Kiesbank bei der Einmündung des Werdenberger Binnenkanals bei Büchel wurde durch ein Hochwasser im Sommer 2018 abgeschwemmt.

Microtus arvalis (Feldmaus)

Die Feldmaus ist eines der häufigsten Säugetiere Mitteleuropas, ihr Bestand weist starke zyklische Schwankungen auf. Bei guten Nahrungs- und Witterungsbedingungen steigt die Nachkommenschaft sprunghaft an. Dies wird mit der Erhöhung der Wurfgrösse und der Wurffolge, einer vorgezogenen Geschlechtsreife bei Jungtieren oder der Bildung von Nestgemeinschaften mehrerer Weibchen erreicht. Entsprechend gilt die Feldmaus bis heute in Landwirtschaft und Gartenbau als Schädling. Das war 1885 nicht anders, als diese Albino-Feldmaus im Rheintal gefangen wurde. Aufgrund ihrer besonderen Färbung gelangte sie in die Sammlung von Robert Mader, der diese später dem Naturmuseum vermachte.

Sammlungsnummer: NMSG-V1296

Schwefel, Italien

Schwefel ist nach Eisen, Sauerstoff, Silizium und Magnesium das fünfthäufigste Element auf der Erde. In gebundener Form kommt er am häufigsten vor, etwa als Teil von Sulfiden (z.B. Pyrit) oder Sulfaten (z.B. Gips). Wie Kupfer, Silber, Gold und Kohlenstoff (in Form von Diamant und Graphit) kommt Schwefel jedoch gelegentlich auch in reiner oder «gediegener» Form vor. Er weist dann keine chemische Verbindung zu anderen Stoffen auf, so wie bei diesem schönen Stück aus Sizilien.

Sammlungsnummer: NMSG-M1747

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Larus minutus (Zwergmöwe)

Zwergmöwen gelten als seltene Wintergäste aus dem Osten. Vereinzelt halten sie sich auch in der Schweiz auf. Dieses Exemplar stammt aus Horn am Bodensee und ist mit dem 10. Januar 1923 datiert. Die kleinste Art der Möwen ernährt sich je nach Saison verschieden. Während der Brutzeit von Mitte Mai bis Anfang Juli besteht ihre Beute vor allem aus Fluginsekten, die sie teilweise sehr nahe über der Wasseroberfläche jagt. Während des Vogelzugs und zu insektenärmeren Zeiten kommen kleine Fische, Würmer und Weichtiere dazu. Im Winterquartier besteht die Nahrung meist ausschliesslich aus kleinen, oberflächennah schwimmenden Fischen.

Sammlungsnummer: NMSG-V2449

Mariella sp. (Ammonit)

In den Kreideschichten des Alpsteins wurden schon viele Fossilien gefunden. Besonders fossilreich sind die Schichten der rund 100 Millionen Jahre alten Garschella-Formation. Eines der häufigsten Fossilien darin sind diese turmartig gewundenen Ammoniten. Allerdings sind häufig nur Teilstücke des Gehäuses zu finden.

Sammlungsnummer: NMSG-F5739

Sammelbox für Schmetterlinge

Diese Sammelbox gehörte einst Paul Bodenmann senior, Malermeister aus Teufen und Gründer des Entomologischen Vereins Alpstein um 1941. Das Naturmuseum wird bis heute von den Vereinsmitgliedern bei der Bestimmung sowie bei der Überarbeitung der Insektensammlung tatkräftig unterstützt. Die selbstgefertigte Sammelbox stellte Paul Bodenmann auch für andere Entomologen der Region her: im linken Abteil mit Deckel wurden die lebenden Raupen transportiert, der rechte Bereich diente als Arbeitsfläche für die Konservierung von Schmetterlingen.

Suevit

Wörtlich übersetzt heisst Suevit «Schwabenstein». Entsprechend stammt das Gestein aus einer Region im «Schwabenland»: dem Nördlinger Ries. Das Ries ist ein Einschlagkrater mit 25 km Durchmesser, der durch einen rund 1,5 km grossen Himmelskörper (Asteroid) vor 15 Millionen Jahren entstand. Dabei wurden Gesteinsbrocken bis nach St.Gallen geschleudert. Das Gestein aus dem Krater wurde entweder verdampft, geschmolzen oder ausgeworfen. Beim Suevit handelt es sich um den geschmolzenen Teil: ein schnell wieder erstarrtes Gesteinsglas, das kleinere Trümmerstücke aller Art enthält. Nahe der Kratermitte liegt die Stadt Nördlingen, deren Kathedrale als einzige weltweit aus Suevit besteht.

Drosera rotundifolia (Rundblättriger Sonnentau)

Unter den Kuriositäten unserer botanischen Sammlung finden sich auch einige Herbarbelege von fleischfressenden Pflanzen. Eine der bekanntesten dieser Arten ist der Rundblättrige Sonnentau. Eine Pflanze, die bei uns in Hochmooren vorkommt. Ihre Blätter sind an den Rändern mit bis zu 200 haarfeinen Tentakeln besetzt. Diese scheiden ein klebriges Sekret aus, an welchem Mücken oder Fliegen hängen bleiben. Hat die Pflanze ein Opfer gefangen, beginnt sich nach etwa zwei Stunden das ganze Blatt einzukrümmen und die Beute wird mit Hilfe von Verdauungsdrüsen verdaut.

Sammlungsnummer: NMSG-P16504

Sciurus vulgaris (Eichhörnchen)

Tiere mit einer Weissfärbung haben es schwer: ihre Tarnung fällt weg, weshalb sie besonders auffallen und zur leichten Beute werden. Auch diesem Eichhörnchen wurde seine Pigmentstörung zum Verhängnis. Weil Albinos nur selten zu sehen sind, wurde dieses Eichhörnchen am 16. Oktober 1918 in Cinuskel (GR) erlegt. Die Präparation erfolgte durch Ernst Heinrich Zollikofer (1859–1930), von dem das Naturmuseum mit 500 Präparaten die weltweit grösste Sammlung besitzt.

Sammlungsnummer: NMSG-V243

Roteisenstein aus dem Gonzen

Zwischen ca. 200 v. Chr bis 1966 wurde im Eisenbergwerk Gonzen bei Sargans SG «Roteisenstein» abgebaut, um daraus Eisen zu gewinnen. Das wichtigste Mineral des Roteisensteins heisst Hämatit (Eisenoxid: Fe2O3), was «Blutstein» bedeutet. Der Name kommt vom blutroten Strich, den der Stein hinterlässt, wenn damit über eine Marmorplatte gekratzt wird. Obwohl die Eisenvorräte im Gonzen noch nicht erschöpft sind, ist die Förderung nicht mehr wirtschaftlich. Das Bergwerk kann heute noch besichtigt werden.

Sammlungsnummer: NMSG-M2317

Chris Mansfield

175 Jahre Naturmuseum

Das heutige Objekt des Tages tanzt aus der Reihe, da es nie den Weg in die Sammlungsräume finden wird. Trotzdem ist die Geburtstagstorte etwas ganz Besonderes: heute vor 175 Jahren – am 28. September 1846 – erfolgte die Gründung des Naturmuseums St.Gallen. Im Gründungsprotokoll ist nicht nur festgehalten, dass Jacob Wartmann als erster Direktor amtet, sondern auch, wie oft er das Museum mindestens zu besuchen hat: «Damit er mit dem Museum immer genau bekannt bleibe u. Übelständen sogleich begegnen könne, ist er verpflichtet, während der milderen Jahreszeit dasselbe wöchentlich einmal u. während der rauhen Wintermonate monatlich wenigstens einmal zu besuchen». Für die Öffentlichkeit stand das Naturmuseum nur gelegentlich zum Besuch offen: «(…) so wird vorläufig hiefür die Zeit von 10-12 Uhr des Vormittags am Sonntag bestimmt». Nicht nur die Öffnungszeiten haben sich in den vergangenen 175 Jahren geändert…

Tadorna ferruginea (Rostgans)

Die Rostgans gilt als problematisches Neozoon: eine Tierart, die durch menschlichen Einfluss in einer neuen Region heimisch wird. Die aus Zuchten entflogenen Ziervögel haben sich gut etabliert und verdrängen besonders den Turmfalken in seinen Nistkästen. Um die Rostgans zurückzudrängen, bemühen sich nun Naturschützer, die Rostgänse von den Nistkästen wegzufangen. Besonders während der Aufzucht ihrer Jungen verhält sich die Rostgans sehr aggressiv gegenüber anderen Wasservögeln. Das präparierte Exemplar stammt aus St.Margrethen, wo die Art ebenfalls vorkommt.

Sammlungsnummer: NMSG-V7612

Molassekohle mit Melania escheri (Schnecken)

Kohle entsteht aus Holz- und Pflanzenteilen, welche durch Druck und Hitze zusammengepresst werden. In seltenen Fällen können bei diesem Prozess auch die Reste von Tieren eingeschlossen werden. Das Stück wurde in Niederuzwil gefunden und stammt aus der Sammlung Georg Schenk, welche dem Naturmuseum 2008 von der Kantonsschule Heerbrugg geschenkt wurde.

Sammlungsnummer: NMSG-F7059

Phlogophora meticulosa (Achateule)

Auch Sammlungsobjekte unterliegen Veränderungen: nicht nur hinsichtlich ihres physischen Zustandes, sondern auch betreffend ihrer Bezeichnung. Die Etikette dieses wahrscheinlich ältesten Schmetterlings im Naturmuseum ist mit dem Jahr 1849 beschriftet, seither hat sich die Artbezeichnung von Brotolamia meticulosa zu Phlogophora meticulosa gewandelt. Die Achateule ist ein nachtaktiver Wanderfalter, der im Frühsommer über die Alpen nach Mittel- und Nordeuropa fliegt. Das Exemplar aus der Sammlung stammt aus einem Nachlass, der 2004 dem Naturmuseum übergeben wurde.

Anthrazit

«Anthrazit» ist die die «reinste» Kohle, die neben Kohlenstoff nur wenige andere Stoffe enthält und deshalb den höchsten Brennwert hat. Sie ist deshalb als Brennstoff sehr begehrt, aber weitaus seltener als andere Steinkohle-Sorten. Bei Kohle handelt es sich meist um organische Überreste urzeitlicher Wälder (überwiegend aus der Zeit vor rund 250 bis 350 Millionen Jahren), die über die Jahrmillionen durch Hitze und Druck entgast und in nahezu reinen Kohlenstoff umgewandelt wurden. Dieses Stück stammt aus Les Houches in den französischen Alpen, unweit der Schweizer Grenze am Fuss des Mont Blanc gelegen.

Sisal aus Mexico

An Weltausstellungen zeigen sich Länder gerne von ihrer besten Seite. So auch Mexico, das an der Weltausstellung von Paris 1878 einen Zopf aus Sisalfasern präsentierte. Sisal wird aus der Sisal-Agave gewonnen, eine in den tropischen und subtropischen Gebieten Amerikas beheimatete Pflanze. Im Vergleich mit Weichfasern wie Baumwolle, Hanf oder Flachs kann die harte Sisalfaser nur zu groben Garnen verarbeitet werden. Daraus werden Schiffstaue, Fischernetze, robuste Teppiche oder Hängematten hergestellt. Wie der bis heute «in alter Frische» erhalten gebliebene Zopf nach der Weltausstellung zu uns ins Naturmuseum gelangte, ist unbekannt.

Mustela nivalis nivalis (Zwergmauswiesel)

Einst war diese kleinwüchsige Unterart des Mauswiesels am Säntis weit verbreitet. Das besondere Merkmal dieser im Alpenraum heimischen Unterart ist die weisse Fellfärbung im Winter. Heute kommt am Säntis nur noch die grössere Unterart vor, deren Fell im Winter braun bleibt. Zwergmauswiesel sind ein Relikt aus der Eiszeit. Eine Vermutung zur Ursache ihres Rückgangs ist die Erschliessung der Alpen mit Verbindungen zwischen Ebene und Gipfelregion durch Waldschneisen für Liftanlagen oder die Alpwirtschaft. Wo heute Korridore sind, ist die braune Unterart nachgezogen und verdrängt die weisse Unterart. Im Kanton St.Gallen ist einzig noch im Murgtal eine kleine Rest-Population dieser Zwergmauswiesel-Unterart bekannt.

Sammlungsnummer: NMSG-V1616

Calcit vom Wolfjos, Vättis

Diese ungewöhnliche Calcit-Stufe aus der Wolfjos-Kluft bei Vättis im Taminatal erinnert mit ihren steilen Zacken an die schroffen Gipfel der Alpen. Bei den dunklen Flecken handelt es sich um schlammige Ablagerungen (Tonmineralien), die im Verlauf des Kristallwachstums vom Calcit überwuchert wurden. Tonmineralien finden sich in den meisten Klüften – so sauber herausgeputzt wie in einer Museumssammlung ist ein Kristall in der Natur selten.

Sammlungsnummer: NMSG-M1733

Gypaetus barbatus (Bartgeier)

Der Bartgeier erlitt wie Wolf oder Luchs ein ähnliches Schicksal, war er doch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts komplett ausgerottet. Dieser junge Bartgeier aus unserer Sammlung wurde dem Horst entnommen und von Hand aufgezogen. Aufgrund von fehlender Information zur Hauptnahrung (Knochen) wurden etliche Tiere in Gefangenschaft falsch gefüttert. Folge davon war häufig eine rachitische Verformung der Knochen. Ob der deformierte Schnabel dieses Bartgeiers eine Folge falscher Ernährung oder unfallbedingt ist, bleibt unbekannt.

Sammlungsnummer: NMSG-V1761

Oxyrhina hastalis (Makohai)

Vor rund 20 Millionen Jahre drang von Osten her ein Meeresarm in unsere Region ein. In diesem flachen Gewässer tummelten sich neben Delfinen, Seekühen und Schildkröten auch viele Haiarten. In den entsprechenden Ablagerungen konnten bei Staad zahlreiche Zähne gefunden werden. Darunter auch dieser Zahn eines Makohais; eine Gattung, die bis heute vorkommt.

Sammlungsnummer: NMSG-F7379

Helix pomatia (Weinbergschnecke)

Vor der Entwicklung der Fotografie waren Abbildungen in Büchern nur in Form von Zeichnungen oder Kupferstichen möglich. Dieses Häuschen einer Weinbergschnecke diente als «Fotomodell» für eines der ersten Schweizer Schneckenbücher. Das Werk mit dem Titel «Erd- und Süsswassergasteropoden der Schweiz» wurde 1840 von Johann Daniel Wilhelm Hartmann veröffentlicht und enthielt zahlreiche von ihm selbst angefertigte Kupferstiche. Der Kupferstich dieser Helix pomatia ist heute in der Kantonsbibliothek Vadiana sicher konserviert.

Sammlungsnummer: NMSG-IM1062

Vulkanischer Tuff

Beim Wort Vulkan denkt man an Italien, Island oder an entlegene tropische Inseln. Dass es vor geologisch kurzer Zeit auch nahe der Schweizer Grenze Vulkane gab, ist deshalb für viele eine Überraschung. Die Hegau-Vulkane, zwischen Bodensee und Randen gelegen, waren vor 10 bis 15 Millionen Jahren aktiv. Verschiedene Vulkanschlote förderten Magma aus der Tiefe. Dabei wurden immer wieder Stücke der vom Magma durchquerten Gesteinsschichten von den Wänden der Schlote losgerissen und ausgeworfen, wo sie dann in vulkanische Asche eingebettet wurden. So auch bei dieser «Tuff», wie man die kompakt verbackene Aschenschicht nennt. Hier sind es gleich zwei verschiedene Gesteinssorten, die aus verschiedenen Tiefen des Schlots mitgerissen wurden.

Die «Seitter-Flora»

1989 publizierte die St.Gallische Naturwissenschaftliche Gesellschaft die zweibändige «Flora der Kantone St.Gallen und beider Appenzell». Von allen je in diesem Gebiet beobachteten Pflanzenarten ist hier nachzulesen, wo, wann und von wem sie je gefunden wurden – vorausgesetzt, dass die Beobachtungen irgendwo dokumentiert worden waren. Die ältesten Beobachtungen reichen zurück bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Hauptautor des Werks war Heinrich Seitter (1902–1991), ein Zugführer der SBB aus Sargans und passionierter Pflanzenkundler, der für seine botanischen Leistungen später mit dem Ehrendoktor der ETH ausgezeichnet wurde.

Neomys anomalus (Sumpfspitzmaus)

Lange konnte die Sumpfspitzmaus in grossen Teilen der Schweiz nicht nachgewiesen werden. Dies änderte sich mit einem ersten Totfund in Grub SG am 22. August 2015. Ein halbes Jahr später kam ein von einer Katze getötetes Exemplar in Wittenbach hinzu, welches das Team des Naturmuseums aufhorchen liess. Ein Aufruf an die Bevölkerung nach weiteren von Katzen erbeuteten Mäusen hatte zur Folge, dass die Zahl der nachgewiesenen Sumpfspitzmäuse stieg. Diese neuen Erkenntnisse zur Sumpfspitzmaus flossen auch in den neuen Säugetieratlas der Schweiz ein, der dieses Jahr erschienen ist.

Sammlungsnummer: NMSG-V5964

Quarz-Kristall «Drachenkopf»

Diese schöne Quarz-Stufe stammt von der Fundstelle «Gigerwaldschlucht» im Calfeisental. Die Form erinnert ein wenig an den Kopf eines Drachens – passend zum nahe der Fundstelle gelegenen «Drachenloch», eine Höhle auf über 2400 m ü.M. An dieser Stufe lässt sich gut beobachten, dass Kristalle keineswegs nur in eine Richtung wachsen können: so gibt es hier zahlreiche «Doppelender» zu bestaunen, die von einer Stelle an ihrer Mitte aus in zwei Richtungen gewachsen sind.

Sammlungsnummer: NMSG-M2567

Podiceps cristatus (Haubentaucher)

In der Blütezeit der Kuriositäten-Kabinette war es für Sammler ein grosses Ziel, möglichst ungewöhnliche Tiere in ihrem Besitz zu wissen. Dies konnten exotische Tiere sein, aber auch einheimische Arten mit ungewöhnlichen Färbungen oder Deformationen. Dieser Sammlungswut fiel auch der Albino-Haubentaucher von Horn am Bodensee zum Opfer, der 1901 von Ernst Heinrich Zollikofer präpariert wurde. Der auffällige und bei uns weit verbreitete Schilfbewohner bietet vor allem während der Balzzeit ein besonderes Schauspiel. Kopf an Kopf werben beide Partner kunstvoll um die Gunst des anderen.

Sammlungsnummer: NMSG-V627

Pirulla sallomacensis (Süsswasserschnecke)

Beim Bau des Tunnels für die Mühlegg-Bahn wurden 1893 Schichten der Oberen Süsswassermolasse durchfahren. Im ausgebrochenen Gesteinsmaterial kamen dabei auch die Reste dieser Süsswasserschnecke zum Vorschein. Typisch für diese Art ist die gitterartige Oberflächen-Struktur des Gehäuses.

Sammlungsnummer: NMSG-F2154

Ochsenheimeria glabratella

Lange war der letzte Nachweis dieses Falters in der Sammlung Petry in Erfurt (D) zu finden. Gefunden und beschrieben wurde er 1918 in Vättis von Johann Müller-Rutz. Doch seit dem Jahr 2002 gehört ein Exemplar des Ochsenheimeria glabratella auch zur Sammlung des Naturmuseums St.Gallen. Sein Entdecker war der Kleinschmetterlings-Spezialist Andreas Kopp, der den Falter erneut im Kanton St.Gallen fand. Sammlungsarbeit zahlt sich manchmal erst spät aus!

Lava-Schlacke

Wenn ein Gestein langsam auskühlt, bilden sich je nach Zusammensetzung verschiedene, ineinander verwachsene Kristalle, die in einem Anschliff gut von Auge erkennbar sind. Bei einem Lavastrom geht das Abkühlen viel zu schnell, als dass sich Kristalle bilden könnten. Es bildet sich ein «vulkanisches Glas», bei dem die einzelnen Kristalle höchstens unter dem Mikroskop sichtbar werden. Rasch abgekühltes vulkanisches Glas bildet eine raue, unangenehm kratzige und harte Oberfläche: eine «Schlacke». In diesem Fall stammt die Schlacke von einem Vulkan in der Eifel, einer Vulkan-Region in Westdeutschland, die zuletzt gegen Ende der letzten Eiszeit vulkanisch aktiv war.

Pflanzliche Gerbstoffe

Das Gerben ist eine Kunst, die der Mensch schon seit Tausenden von Jahren beherrscht. Bereits «Ötzi», der im 4. Jahrtausend v. Chr. getötete und 1991 in den Ötztaler Alpen mumifiziert aufgefundene Mann, trug einen Pfeilköcher aus Leder. Der Gerbprozess wandelt Tierhäute in haltbares Leder um. Heute wird vorwiegend mit synthetisch hergestellten Chemikalien gegerbt. Früher kamen vor allem pflanzliche Bestandteile zum Einsatz, wie hier abgebildet zum Beispiel Fichten- und Eichenrinden oder Fruchtbecher von Eicheln. Aber auch Blätter, Hölzer, Früchte und Wurzeln von Kastanien, Bananen oder Tee- und Kaffeepflanzen enthalten Gerbstoffe.

Lutra lutra (Fischotter)

Bei diesem Fischotter handelt es sich um ein Präparat von Ernst Heinrich Zollikofer (1859-1930), der für seine lebensnahe Tierpräparation weltberühmt war. Das speziell dunkle Individuum war am Chapf bei Uzwil unterwegs. Der Fischotter gilt im Kanton St.Gallen seit den 50er-Jahren als ausgerottet, breitet sich aber seit kurzem von der Südostschweiz her wieder aus. So ist er auch im Rheintal vereinzelt wieder nachgewiesen worden. Zum Verhängnis wurde ihm einst sein überaus dichtes Fell, welches mit bis zu 70’000 Haaren pro Quadratzentimeter das dichteste der heimischen Wildtiere ist. Als Vergleich: der Mensch hat auf der gleichen Fläche nur rund 200 Haare.

Sammlungsnummer: NMSG-V114

Bläulicher Fluorit aus der Dürrschrennenhöhle

Die blaugrüne Farbe dieses Fluorits erinnert an den Seealpsee im Sommer. Er wurde auch ganz in der Nähe gefunden: in der Dürrschrennenhöhle, eine heute geschützte und sehr ergiebige Fundstätte für Fluorit (früher auch Flussspat genannt). Fluorit hat kommerzielle Anwendungen: so wird praktisch alle Flusssäure (HF), die in der chemischen Industrie benötigt wird, aus hochreinem Fluorit hergestellt. Weniger reiner Fluorit findet seine Anwendungen bei der Herstellung von Stahl und Aluminium. Diesem schönen Stück in unserer Sammlung wird dieses Schicksal zum Glück erspart bleiben.

Sammlungsnummer: NMSG-M2371

Corvus corone (Rabenkrähe)

Rabenkrähen gelten als schlaue Schwarmvögel, die in der Landwirtschaft Schäden an den Kulturen anrichten können. Entsprechend wurden sie lange vehement verfolgt und bejagt. Andererseits sind die anpassungsfähigen Allesfresser auch nützlich, da sie besonders während der Brutzeit unzählige Mäuse und Schnecken vertilgen. Die Ernährung stellte für diese Rabenkrähe aus Rheineck ein grosses Problem dar, war diese mit einer solch ausgeprägten Schnabeldeformation sicher sehr beschwerlich. Ausserdem zog der seltsam geformte Schnabel auch das Interesse der Sammler auf sich, was der Rabenkrähe im Januar 1914 zum Verhängnis wurde.

Sammlungsnummer: NMSG-V3077

Acanthosdiscus sp. (Ammonit)

Ammoniten sind häufige Versteinerungen in den Meeresablagerungen der Kreidezeit. Bei diesem rund 120 Millionen Jahre alten Fund aus dem Alpstein ist nur der Steinkern erhalten geblieben. Die Schale ging im Laufe des Versteinerungsprozesses verloren. Ammoniten starben am Ende der Kreidezeit vor rund 66 Millionen Jahren komplett aus.

Muschelsammlung Architekt Kunkler

Einst gehörte es in höheren Kreisen zum guten Ton, eine eigene Sammlung von Exoten zu besitzen. Dazu zählt auch diese kleine Muschelsammlung, die «Von Frau Architekt Kunkler» im Jahr 1899 dem Naturmuseum überreicht wurde. Sie besitzt hinsichtlich der enthaltenen Objekte keinen wissenschaftlichen Wert, dokumentiert aber die Sammeltätigkeit des berühmten St.Galler Architekten. Johann Christoph Kunkler ist der Erbauer des 1877 eröffneten Museumsgebäudes am Rande des Stadtparks, welches bis Oktober 2016 auch das Naturmuseum beherbergte.

Gletscherschliff

Auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit, vor rund 20’000 Jahren, lag St.Gallen gut 500 Meter unter der Eisoberfläche – der mächtige Rheingletscher hatte das kleine Seitental bei seiner grössten Expansion einfach überfahren. Dort, wo das Gletschereis über den Gesteinsuntergrund strich, riss es zahllose Steine mit, die ihrerseits Kratzer auf dem unterliegenden, anstehenden Gestein hinterliessen. Ein paar Jahrtausende später zog sich das Eis in die Alpen zurück – und hinterliess im Mittelland eine raue Gesteinslandschaft. Nur noch Seen, Moränenhügel und Steine mit sichtbarem «Gletscherschliff» zeugen von der urtümlichen Kraft des Gletschers.

Platanthera chlorantha (Grünliches Breitkölbchen)

Dieser Herbarbogen mit dem Grünlichen Breitkölbchen ist einer der wertvollsten unserer botanischen Sammlung. Es handelt sich um einen Typusbeleg, also um das Exemplar, mit dem die Pflanzenart zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben und mit einem Namen versehen wurde. Dies von Jakob Gottlieb Custer (1789–1850), Arzt in Rheineck und leidenschaftlicher Botaniker. Als Name wählte er Orchis chlorantha (Grünliche Orchidee). Der Name war aber nur von kurzer Dauer und wurde ein Jahr später vom deutschen Botaniker Reichenbach in die Gattung Platanthera überführt. Custers Name bleibt in der heute gültigen lateinischen Bezeichnung aber immer noch sichtbar: Platanthera chlorantha (Custer) Rchb.

Sammlungsnummer: NMSG-P110

Canis lupus (Wolf)

Bei diesem Schädel handelt es sich um den ersten Beleg eines Wolfes seit der Wiederbesiedlung in der Region. Aufgrund einer schweren Beinverletzung musste dieser Wolf des Calanda-Rudels im Frühjahr 2018 geschossen werden. Sein Fell wurde zur Präparation verwendet und ist heute ein Exponat in der Dauerausstellung des Naturmuseums. Skelett und Schädel sind als Beleg im Archiv deponiert. Seit der ersten Wiederansiedlung eines Wolfsrudels in der Region im Jahr 2012 sind mehrere Rudel in den Kantonen Graubünden, St.Gallen, Glarus, Wallis und Waadt hinzugekommen – der Wolf ist in der Schweiz definitiv angekommen.

Sammlungsnummer: NMSG-V7328

Calcit aus dem Kraftwerkstollen Gigerwald-Tersol

Als 1970 der neu gebaute Gigerwald-Stausee durch einen Stollen mit dem zugehörigen Kraftwerk verbunden werden sollte, bohrte man eine zimmergrosse Kluft an, deren Wände nahezu vollständig von Calcit-Kristallen in Skalenoeder-Form bedeckt waren. Praktisch alle Kristalle sind zudem von einer gelblich-bräunlichen Eisenoxid-Schicht bedeckt, was ihnen ihr charakteristisches Aussehen verleiht. In der Ausstellung des Naturmuseums St.Gallen ist aus dieser Fundstelle eine rund ein Meter lange Stufe zu bestaunen. In den Sammlungsräumen des Museums schlummern noch weitere dieser Schätze.

Sammlungsnummer: NMSG-M2164

Falco peregrinus (Wanderfalke)

Der Wanderfalke erlitt ab Mitte der 1950-Jahre in ganz Europa massive Bestandeseinbussen. Er war 1970 bis auf ein Brutpaar auch aus der Schweiz verschwunden. Hauptgrund dafür war der Einsatz des Insektizides DDT, welches die Eischalen dünner werden liess, so dass sie während der Brut zerbrach. Mit Beginn der 1990er-Jahre erholte sich der Bestand wieder, wobei aktuell die Vergiftung mit Locktauben eine neue Bedrohung darstellt. Wanderfalken erreichen im Sturzflug Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometer und stürzen sich wie ein Geschoss auf ihre Beute. Dieses Weibchen im Jugendgefieder stammt aus der Region Rorschach.

Sammlungsnummer: NMSG-V5494

Acer trifolium (Dreizackiger Ahorn)

Oswald Heer wurde 1809 in Niederuzwil geboren und war im 19. Jahrhundert ein berühmter Paläontologe, Botaniker und Insektenkundler. Das Naturmuseum St.Gallen verfügt über eine umfangreiche Sammlung seiner Pflanzenfunde, deren grösster Teil, wie auch dieser Ahorn, aus der Oberen Süsswassermolasse von Öhningen am Bodensee stammen und rund 13 Millionen Jahre alt sind.

Ciliella ciliata (Wimperschnecke)

Bei diesen beiden Häuschen von Wimperschnecken handelt es sich um sogenannte Syntypen: auf ihnen beruht der Erstbeschrieb von 1821 durch Johann Daniel Wilhelm Hartmann. Um die innerartliche Varianz zu erfassen, werden heutzutage idealerweise mehrere sogenannte Paratypen festgelegt. Ziel ist es, pro Art einen Typus zu erhalten, der in einem Museum öffentlich zugänglich ist. Dieser wird bei Unklarheiten zur Artabgrenzung beigezogen, so auch, wenn Taxonomen neue Arten beschreiben und von bestehenden abgrenzen.

Sammlungsnummern: MNSG-IM962 und NMSG-IM963

Bohrkern aus salzhaltigem Gestein

Steinsalz ist Meersalz, welches vor Millionen von Jahren im Meer gelöst war und heute an verschiedenen Orten der Schweiz abgebaut wird. In flachen Lagunen sammelte es sich durch Verdunstung des Meerwassers an, bis es von anderem Gestein bedeckt und im Rahmen der Alpenfaltung zu einem kompakten Gestein gepresst wurde. Das Salz aus der «Saline de Bex» kommt ausschliesslich im Kanton Waadt auf den Küchentisch, das restliche Schweizer Salz stammt aus dem Jura. Der Abbau in Bex geschieht heute mithilfe von Wasser: es wird ins Gestein gepresst. Dieses löst das Salz und wird dann zur Salzgewinnung als «Sole» an die Oberfläche gebracht. Um den Fortschritt der Salzgewinnung zu überprüfen, wird das salzhaltige Gestein angebohrt – so auch mit diesem «löcherigen» Bohrkern.

Phallus impudicus (Stinkmorchel)

Die Stinkmorchel, ein auch unter den Namen Giftmorchel oder Stinkschwamm bekannter Pilz, welcher in der Nähe von morschem Holz wächst, kommt bei uns vor allem in Fichten- und Buchenwäldern vor. Im ausgewachsenen Stadium – wie hier im Bild – ist die Stinkmorchel ungeniessbar. Dies wegen ihres intensiven Aasgeruchs, den die Fruchtmasse ausströmt, um Fliegen anzulocken. Bevor sich der phallusartige Stiel entwickelt, bildet die Stinkmorchel eine als «Hexenei» bezeichnete, kugelige bis breit eiförmige Knolle. Dieses Hexenei ist durchaus geniessbar und riecht und schmeckt rettichartig.

Rupicapra rupicapra (Gämse)

Gämsen sind auf ein Leben im steilen, teils felsigen Gelände angepasst und sind nur in Europa verbreitet. Mit ihren spreizbaren Hufen und einem vergleichsweise grossen Herz besitzen sie ein starkes Leistungsvermögen sowie eine ausgeprägte Bewegungssicherheit. Teilalbinotische Färbungen wie bei unserem Sammlungsobjekt oder Albino-Gämsen sind eine Seltenheit und für Jäger ein Tabu. Wer eine weisse Gämse erlegt, soll gemäss einer Legende vom Unglück verfolgt werden. Präpariert wurde diese Gämse von Ernst Heinrich Zollikofer, der sie in ausgezeichneter Qualität naturgetreu inszeniert hat.

Sammlungsnummer: NMSG-V187

Lasurit

Lasurit ist das Mineral, das dem Schmuckstein Lapis Lazuli seine charakteristisch tiefblaue Farbe gibt. Das Silikat enthält Beimengungen von Kalzium, Natrium, Aluminium und Schwefel und ist ziemlich selten. Weltweit gibt es nur einige dutzend Fundstellen. Am bekanntesten und schönsten sind die Stücke der Fundstelle Sar-er-Sang in der afghanischen Provinz Badachschan. Dieses Stück hier stammt aber vom «Cerro Lapis Lazuli» in Chile. Lasurit wurde im Mittelalter mit einem bis heute streng geheim gehaltenen Verfahren aus Lapis Lazuli gewonnen, um daraus dann das begehrte und teure «Fra Angelico Blau» herzustellen.

Sammlungsnummer: NMSG-M1879

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Plectrophenax nivalis (Schneeammer)

Schneeammern sind genügsam, kältehart und als leistungsfähige Langstreckenflieger bekannt. Sie sind vorwiegend im hohen Norden anzutreffen und kommen nur als seltene Wintergäste in die Schweiz. Denn nicht alle Jahre dringen sie so weit nach Süden vor, dass sie hierzulande anzutreffen sind. Im Winter 1901 hatten etliche Schneeammern den Winter rund um den Bodensee verbracht. Eine von ihnen war dieses alte Männchen, das bei Lustenau gefunden wurde und zuvor mit einem Schwarm unterwegs war.

Sammlungsnummer: NMSG-V4084

Chris Mansfield

Dorsanum aquense (Meeresschnecke)

Diese hübsche Meeresschnecke wurde im Hagenbuch-Tobel in St.Gallen gefunden. Sie zeigt eine gute Erhaltung der spitzkegelig gewundenen Schale. Markant sind auch die deutlich erkennbaren Rippenstrukturen. Der Fund stammt aus der St.Gallen-Formation der Oberen Meeresmolasse und ist rund 18 Millionen Jahre alt.

Sammlungsnummer: NMSG-F2123

Xestia collina (Mittelgebirgs-Bodeneule)

Bei diesem Sammlungsstück handelt es sich um eine Züchtung von Paul Bodenmann. Als einzigem in der ganzen Schweiz gelang es ihm damals, diese eigentlich in lichten Gebirgswäldern heimische Art zu züchten. Sein Züchtungserfolg lohnte sich auch finanziell, an Insektenbörsen waren die nachgezüchteten Mittelgebirgs-Bodeneulen sehr beliebt. Da Paul Bodenmann seine Sammlung dem Naturmuseum vermachte, sind nun auch einige dieser Zucht-Schmetterlinge Teil unserer Sammlung.

Sammlungsnummer: NMSG-IL9571

Auswürfling aus dem Nördlinger Ries

Beim Einschlag eines etwa 1,5 Kilometer grossen Himmelskörpers vor etwa 15 Millionen Jahren in Süddeutschland entstand ein gewaltiger Krater mit 22 Kilometern Durchmesser – das Nördlinger Ries. Ein Teil des Materials aus dem Krater wurde herausgerissen und über 180 Kilometer weit durch die Luft geschleudert – auch bis nach St.Gallen, wo es den Boden in einer lockeren Schicht von einigen Zentimetern Dicke bedeckte. Diese Gesteine sind rund 150 Millionen Jahre alt. Der erste Geologe, dem dies auffiel, war Franz Hofmann. Er bezeichnete diese seltsamen Steine ca. 1945 als «vulkanische Auswürflinge». Erst in den 1990er-Jahren setzte sich schliesslich die Erkenntnis durch, dass die Blöcke ursprünglich aus dem Nördlinger Ries stammen und durch den Einschlag verfrachtet wurden.

Pflanzenpresse von Pfarrer Zollikofer

Georg Kaspar Zollikofer (1816–1895) war während fast 50 Jahren Pfarrer in Marbach. Im St.Galler Herbar hat er eine überaus reichhaltige Sammlung von Pflanzenbelegen hinterlassen. Viele davon wird er bei seinen Pastoralbesuchen auf abgelegenen Bauernhöfen gesammelt haben. Bis heute werden die Pflanzen haltbar gemacht, indem sie zwischen Papierbögen in eine Presse gelegt werden. Anschliessend wurde die gepresste Pflanze auf einem neuen Papierbogen montiert und mit einer Etikette versehen, wo der Name der Pflanze in deutsch und lateinisch, der Fundort, das Funddatum und der Name des Sammlers vermerkte wurde.

Quarz-Kristall

Quarz in der klaren Variante Bergkristall ist weit verbreitet im Alpenraum – einem Exemplar von dieser Grösse (ca. 100 kg schwer) begegnet man aber nicht alle Tage. Die charakteristischen Kristallflächen, deren Häufigkeit und Winkel zueinander durch das Atomgitter von Quarz (SiO2) vorgegeben werden, sind gut sichtbar. Dieses Stück stammt aus der ehemaligen naturkundlichen Abteilung des Museums Heiden AR. Leider ist darüber hinaus nicht viel mehr über die Geschichte dieses Stücks bekannt.

Sammlungsnummer: NMSG-M2369

Otis tarda (Grosstrappe)

Mit einem Gewicht von bis zu 16 Kilogramm zählt die Grosstrappe zu den schwersten flugfähigen Vögeln Europas. Anzutreffen ist diese Vogelart vorwiegend in den Steppenlandschaften Europas. Erstmals in der Ostschweiz gesichtet, wurde sie in Form unseres Sammlungsexemplares am 1. Dezember 1879 in Rorschach von Gastwirt Spirig. Ob dieser sie als Delikatesse servierte, ist nicht überliefert. In der Schweiz waren Sichtungen in den letzten 120 Jahren nur selten, im benachbarten Österreich wurden mehrere Projekte zu ihrem Schutz durchgeführt.

Sammlungsnummer: NMSG-V1817

Paratapirus helvetius (Ur-Tapir)

Tapirfunde aus der Oberen Süsswassermolasse sind nicht häufig. Der schönste Fund, ein nahezu kompletter Schädel, wurde dabei 1925 von Johann Anton Mazenauer in der Sitter bei Haslen gemacht und ist im Ausstellungsteil «Leben im Wandel» ausgestellt. Vom selben Fundort stammt auch der Rest eines Unterkiefers. Beide Versteinerungen sind rund 25 Millionen Jahre alt.

Sammlungsnummer: NMSG-F4406

Talpa europaea (Maulwurf)

Maulwürfe verbringen einen Grossteil ihres Lebens unter der Erde. Passend zur unterirdischen Lebensweise sind sie im Normalfall schwarz oder dunkelgrau gefärbt. Selten kommt es zu Farbanomalien, die ein Spektrum von weiss, silbergrau bis zu orange oder kaffeebraun aufweisen können. Diese beiden Albino-Maulwürfe lebten einst am Voralpsee bei Grabs und gelangten aufgrund ihrer besonderen Fellfarbe in unsere Sammlung. Maulwürfe wurden einst stark verfolgt, obwohl sie keine Pflanzenfresser sind. Sie weisen heute aber eine gesunde Population auf.

Sammlungsnummer: NMSG-V1283 / NMSG-V1284

Pterostichus aterrimus (Grabkäfer)

Auch das Sammeln unterliegt gelegentlich dem Grundsatz «De Schneller isch de Gschwinder», wie der Exkursionsbeschrieb des Insektenfotografs André Mégroz aufzeigt: «Wir waren zu dritt unterwegs, als der St.Galler Präparator Hans Hugentobler in der Sumpflandschaft des Alten Rheins einen 15 mm grossen Käfer entdeckte. Sofort kam Käferspezialist Arthur Linder aus Bern hinzu und bezeichnete den Fund treffsicher als Pterostichus aterrimus, eine in der Schweiz bisher noch nie nachgewiesene Art. Schon wollte Linder den Käfer einstecken, da ergriff Hugentobler das Tier und bemerkte: «Vermutlich hat es noch mehr, den nächsten Fund gebe ich dir».

Granatschiefer aus dem Gotthardtunnel

Geologie findet tief in der Erde statt. Was wir an ausgewählten Stellen der Oberfläche sehen, vermittelt nur einen schwachen Einblick davon, was in der Tiefe alles geschieht. Eine seltene Ausnahme stellen grosse Tunnelbau-Projekte dar: sie dringen in tiefe Gesteinsschichten ein, die sonst verborgen sind. Entsprechend helfen sie Geologen, den Gesteinsuntergrund besser zu verstehen und ihre Modelle davon zu verbessern. Dieses Gesteinsstück stammt aus dem ersten Gotthardtunnel. Im Schiefergestein sind grosse, rot-braune Granat-Kristalle (Variante Almandin) zu erkennen, die sich unter hohem Druck und hoher Temperatur gebildet haben.

Myosotis rehsteineri (Bodenseevergissmeinnicht)

Das Bodenseevergissmeinnicht ist eine Pflanzenart, die europaweit nur am Bodensee vorkommt. Sie gilt als stark gefährdet und ist vollständig geschützt. Es war Bernhard Wartmann, Direktor unseres Museums von 1873 bis 1902, der als erster erkannte, dass es sich bei diesen Pflänzchen um eine eigenständige Art handeln musste. Damit kam ihm das Recht zu, einen Namen für diese Art auszuwählen. Er entschied sich für «rehsteineri» zu Ehren des Pfarrers Johann Konrad Rehsteiner, mit dem ihn die Leidenschaft für die Botanik verband. Zuvor war das Bodenseevergissmeinnicht als Variante des Sumpfvergissmeinnichts gehandelt worden.

Sammlungsnummer: NMSG-P8844

Lynx lynx (Luchs)

Im Rahmen des Luchsprojektes LUNO wurden zwischen 2001 und 2008 insgesamt 12 Luchse aus den Nordwestalpen und dem Jura in die Nordostschweiz umgesiedelt. Einer von ihnen war Wero, der 2007 am Tössstock in seine neue Heimat entlassen wurde. Drei Jahre später erkrankte er an Staupe und wurde völlig entkräftet bei Wattwil von einem Spaziergänger entdeckt. Nach einer umfassenden Untersuchung erhielt das Naturmuseum Fell und Schädel des Luchsmännchens als Beleg. Aktuell wird der Luchsbestand in der Schweiz auf rund 200 Tiere geschätzt, in der Ostschweiz sind sie vorwiegend im Alpsteingebiet sowie in der Region Toggenburg unterwegs.

Sammlungsnummer: NMSG-V5894

Capra ibex ibex (Alpensteinbock)

Bei Grabungen 1998 im Stiefelwald-Schacht im Alpstein förderte der Appenzeller Höhlenforscher Martin Fischer Knochenreste eines grösseren Alpensteinbocks zu Tage. Die radiometrische Altersbestimmung ergab ein Alter von rund 8’750 Jahren. Ausser dem Schädel sind auch weitere Reste des Skelettes erhalten geblieben. Neben dem Steinbock wurden die Knochen von vielen weiteren Tierarten geborgen und wissenschaftlich untersucht.

Schwefel und Coelestin

Himmel und Hölle – in diesem Gestein sind sie für einmal vereint. Elementarer Schwefel (S) ist ein grell hellgelbes Mineral, das oft im Zusammenhang mit vulkanischer Aktivität gebildet wird. Es wird deshalb auch gerne der Hölle oder dem Teufel zugeordnet. Das andere Mineral auf diesem Stück heisst Coelestin – Himmelsstein (von lateinisch «caelus», Himmel), abgeleitet von seiner oft himmelsblauen Farbe, die hier eher weisslich erscheint. Coelestin ist ein Strontiumsulfat (SrSO4) und relativ häufig. Auch in der Schweiz gibt es verschiedene bekannte Fundstellen.

Sammlungsnummer: NMSG-M2361

Hieraaetus pennatus (Zwergadler)

Als Brutvogel kommt der Zwergadler vorwiegend in Portugal, Spanien und Südosteuropa vor. Das Exemplar unserer Sammlung aus dem Jahr 1902 stammt aus dem Montafon in Vorarlberg und ist ein Werk des Präparators C. Honstetter. Es stellt einen Erstnachweis in unserer Region dar. Der kleinste europäische Adler ist fast gleich gross wie der bei uns weit verbreitete Mäusebussard. Er besitzt jedoch schlankere Flügel und einen deutlich längeren Schwanz, der fast die Hälfte seiner Körperlänge ausmacht.

Sammlungsnummer: NMSG-V2931

Holz aus einem Moor

Moore sind dafür bekannt, dass sie organisches Material sehr gut konservieren. So wurden beim Torfabbau immer wieder Pflanzen- und Tierreste und ganz selten auch Menschen, sogenannte Moorleichen, gefunden. Dieses Holzstück ist ein Geschenk des Zürcher Geologen Dr. Ulrich P. Büchi an seine Heimatstadt und stammt aus einem Moor bei Falera in Graubünden. Es wurde radiometrisch auf ein Alter von rund 7000 Jahre gemessen.

Alinda biplicata (Gemeine Schliessmundschnecke)

Die Gemeine Schliessmundschnecke ist anders als andere Schnecken: ihre Gehäusewindungen verlaufen nicht wie bei anderen Schnecken rechtsherum, sondern linksherum. Aber auch die Geburt ihrer Jungtiere unterscheidet sich von anderen Schneckenarten: sie schlüpfen nicht aus Eiern, sondern werden lebend geboren. Erst nach 8-10 Monaten sind die jungen Schnecken ausgewachsen. Als Lebensraum wählen sie bevorzugt niedere, kalkhaltige und feuchte Laubmischwälder, gelegentlich auch Felsen oder Mauern.

Sammlungsnummern: NMSG-IM797

Quarzkiesel

Dieser abgerundete Quarzkiesel ist ein besonders schönes Stück unserer Mineraliensammlung. Es handelt sich nicht um einen gewöhnlichen Kiesel, der mithilfe des Wassers über den Bachboden gerollt oder von anderen Kieseln überrollt worden ist. Nein, es ist ein ursprünglich kantiger Quarzkristall – auch als Bergkristall bekannt –, der sich in ein Bach- oder Flussbett verirrt und durch den Abrieb seine gerundete Form erhalten hat. Fundort war der Rhein bei Au SG.

Schaukasten Moose und Flechten

Dieser Schaukasten ist bei der Entrümpelung eines Schulhauses vor der Entsorgung gerettet worden. Zu sehen sind darin fotogene Arten von Moosen und Flechten, darunter die auch bei uns vorkommende Lungenflechte oder das in Hochmooren verbreitete Torfmoos. Während es sich bei den Moosen um echte Pflanzen handelt, sieht es bei den Flechten anders aus. Hier bilden ein Pilz und eine Alge eine Lebensgemeinschaft, von der beide profitieren. In dieser klassischen Symbiose liefert die zur Photosynthese fähige Alge Zucker und Stärke, während der Pilz mit seinem Gewebe die Algen stützt und aus der Umgebung Wasser und Mineralstoffe aufnimmt.

Sciurus vulgaris (Eichhörnchen)

Dieses Eichhörnchen aus unserer Sammlung war vor 120 Jahren am Voralpsee bei Grabs (SG) unterwegs. Es trägt eine unüblich graue Fellfärbung im Übergang zwischen Bauch und Rücken. Eichhörnchen wechseln ihr Fell zweimal pro Jahr fast vollständig. Einzig an den Ohren und am Schwanz wird die Behaarung nur einmal pro Jahr ausgewechselt. Ein unverkennbares Zeichen, dass sich ein Tier im Winterfell befindet, sind die buschigen Ohrpinsel. Im Frühling dünnen sich die langen Haare an den Ohren wieder aus.

Sammlungsnummer: NMSG-V208

Ursus spelaeus (Höhlenbär)

Am 7. Juli 1917 wurden durch den Lehrer Theophil Nigg und seinen Sohn Toni im Drachenloch oberhalb des Dorfes Vättis im Taminatal Knochen entdeckt. Die Funde wurden vom damaligen Museumsleiter Dr. Emil Bächler als Knochen eines Höhlenbären identifiziert. Im Laufe der Grabungen kamen zwischen 1917 und 1923 zahlreiche weitere Funde zum Vorschein. Darunter waren auch viele Schädel dieses grossen, ausgestorbenen Bären.

Feueropal

Das Mineral Quarz gibt es in verschiedenen Formen – am bekanntesten ist es bei uns als «Bergkristall» (Siliziumoxid: SiO2). Opal hat dieselbe chemische Zusammensetzung, die Atome sind jedoch komplett ungeordnet oder «amorph» – dazu kommt ein hoher Wassergehalt von bis zu 20%. Viele Opale schillern in Regenbogenfarben, gelegentlich aber führen Beimengungen von Spurenelementen dazu, dass bestimmte Farben dominieren. Dieser Feueropal aus Oregon in den USA schillert in Orange- und Rottönen.

Sammlungsnummer: NMSG-M1880

Merops apiaster (Bienenfresser)

Der ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Bienenfresser drängt sich mit der zunehmenden Klimaerwärmung verstärkt in den Alpenraum. Seit der Jahrtausendwende lässt sich der Kolonienbrüter auch im Kanton St.Gallen vermehrt beobachten. Das Exemplar aus unserer Sammlung wurde am 13. Mai 2006 in Buchs angefahren und verletzt in eine Pflegestation gebracht. Da er nicht überlebte, wurde er vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei dem Museum als Belegexemplar übergeben. Wie der Name bereits sagt, sind Bienenfresser auf Insekten mit Giftstachel spezialisiert. Um die Giftdrüse der Beutetiere zu entleeren, werden sie vor der Nahrungsaufnahme durchgeknetet und mit Hieben traktiert.

Sammlungsnummer: NMSG-V5217

Pinna brocelini (Steckmuschel)

Die Steckmuscheln der Gattung Pinna kommen auch heute noch im Mittelmeer vor und können bei ungestörtem Wachstum eine Höhe von bis zu 90 Zentimetern erreichen. Die versteinerte Steckmuschel stammt aus der Oberen Meeresmolasse und wurde im Hagenbuchwald in St.Gallen gefunden. Sie ist der Teil der umfangreichen Fossiliensammlung von Andreas Ludwig, einem St.Galler Geologen.

Sammlungsnummer: NMSG-F2799

Kasten aus der Hartmann Sammlung

Die grosse Leidenschaft von Hartmann Junior (Johann Daniel Wilhelm) und Senior (Georg Leonhard) waren die Schnecken. Sie bewahrten die Schneckenhäuschen in Kirschholzkästen auf, von denen 16 Exemplare in ihrer ursprünglichen Form im Museum erhalten sind. Die rund 200 Jahre alten Sammlungskästen werden fortlaufend in die Hauptsammlung integriert, da sie nicht das beste Beispiel für nachhaltige Konservierung sind. Ein bekanntes Dilemma der Sammlungsarbeit: den sich zersetzenden Originalsammlungskasten behalten oder die darin enthaltenen Objekte umsiedeln, restaurieren und auf das Original verzichten.

Korallenkalk

Korallen sind gesteinsbildende Tiere – sie binden Karbonat- und Kalzium-Ionen aus dem Wasser und bilden daraus das Mineral Aragonit (eine Variante von Calcit), aus dem sie ihr Gerüst aufbauen. Wenn sie absterben, bleibt dieses Gerüst zurück. Über die Jahrmillionen bilden sich auf diese Weise in den Küstenbereichen der Ozeane riesige «Karbonat-Plattformen». Wird eine solche Karbonat-Plattform bei der Kollision zweier Kontinente zusammengeschoben und verformt, bilden sich «Korallenkalke» wie dieser hier – auch rund 150 Millionen Jahre nach ihrer Entstehung sind die Gerüste dieser Kleinstlebewesen immer noch als solche erkennbar.

Laccaria amethystina (Lacktrichterling)

In unserer Botanik-Sammlung sind neben etwa 100’000 getrockneten Pflanzen, Flechten und Pilzen auch einige kunstvoll angefertigte Objekte enthalten. Eines davon zeigt den Violetten oder Amethystblauen Lacktrichterling (Laccaria amethystina). Der auch unter dem Namen Violetter Bläuling oder kurz Bläuling bekannte Pilz ist wie alle Lacktrichterlinge essbar. Den Namen hat er seiner violetten Färbung zu verdanken, die im feuchten Zustand sehr kräftig ausfällt. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 erlangte der Pilz eine gewisse Berühmtheit wegen sehr hoher Werte von radioaktivem Cäsium, die er damals anreichern konnte.

Martes foina (Steinmarder)

Nicht alle unsere Sammlungsobjekte können von sich behaupten, sie seien Preisträger. Dieser Steinmarder aus Mörschwil wurde 2018 speziell für die European Taxidermy Championship in Salzburg präpariert. Unser Präparator Lorenzo Vinciguerra stellte sich der Aufgabe, ein Tier möglichst genau nach einem vorgegebenen Foto darzustellen. Sein Einsatz hat sich gelohnt: er erreichte mit diesem Steinmarder den zweiten Platz. Der Steinmarder ist als einziger Vertreter der Echten Marder kein reiner Waldbewohner, sondern lebt auch im Siedlungsraum.

Sammlungsnummer: NMSG-V6744

Bos primigenius (Auerochse)

Bei Bauarbeiten für ein Gebäude auf dem St.Galler Marktplatz wurden 1961 in Schotterablagerungen die Reste eines Auerochsen gefunden. Dabei handelt es sich um die beiden Hörner, einzelne Zähne, einen Halswirbel und Reste eines Schulterblattes. Der Fund wurde auf ein Alter von rund 8’000 Jahren geschätzt. Auerochsen waren typische Bewohner der nacheiszeitlichen Wälder. 1627 starb der letzte Vertreter dieser Stammform des Hausrindes aus.

Calcit aus der Kristallhöhle Kobelwald

Die Kristallhöhle Kobelwald im St.Galler Rheintal ist bekannt für ihre schönen Calcit-Kristalle, die bis zu 50 Zentimeter Kantenlänge aufweisen können. Calcit ist die Kristallform des häufigen Minerals Kalk (Kalziumkarbonat: CaCO3). Calcit-Kristalle sind typischerweise milchig trüb und meist weiss, beige oder gelb. Calcit bildet sich in Höhlen und Spalten, wenn kalkreiches warmes Wasser abkühlt.

Sammlungsnummer: NMSG-M2566

Text

Calidris fuscicollis (Weissbürzelstrandläufer)

Bei diesem Exemplar handelt es sich um ein sehr wertvolles Belegexemplar, welches am 12. Oktober 1860 bei Zürich gefunden wurde. Strandläufer sind dafür bekannt, dass sie im hohen Norden brüten und südlich des Äquators überwintern. Entsprechend legen sie weite Strecken zurück. Der Weissbürzelstrandläufer brütet in der Tundra Nordamerikas. Bei unserem Belegexemplar handelt es sich um einen Erstnachweis dieser Art in der Schweiz, der sich verirrt hatte. Erstaunlich ist, dass er damals als etwas Spezielles erkannt worden war und in Form eines Präparates für die Nachwelt erhalten blieb.

Sammlungsnummer: NMSG-V2367

Pristigenys spinosus (Knochenfisch)

Beim Schieferabbau im Glarner Sernftal wurden immer wieder Reste oder ganze Skelette von Knochenfischen gefunden. Die Sammlung des Naturmuseums St.Gallen besitzt über 100 dieser rund 40 Millionen Jahre alten Fossilien. Darunter befindet sich auch dieser Knochenfisch, der heute einen anderen Namen trägt und zu den Barschartigen gehört.

Podismopsis keisti (Schweizer Goldschrecke)

Die Schweizer Goldschrecke ist die einzige Heuschreckenart, die ausschliesslich in der Schweiz vorkommt. Ihre Erst-Entdeckung Ende der 1980er-Jahre durch Bruno und Lotti Keist war eine grosse Überraschung. Bisher gesichtet wurde diese stark bedrohte Art im Toggenburg und im Berner Oberland. Der Kanton St.Gallen hat Massnahmen für den Erhalt von Podismopsis keisti ergriffen.

Nagelfluh-Block

Nagelfluh ist das typische Gestein im Schweizer Mittelland. Dieses schöne Schaustück unbekannter Herkunft zeigt deutlich die charakteristische Rundung der einzelnen, darin enthaltenen Gerölle sowie die graue «Matrix», durch die sie verbunden sind. Entstanden ist die Nagelfluh, als in der Erdneuzeit vor 30 Millionen Jahren Flüsse grosse Mengen Geröll aus den sich bildenden Alpen ins Alpenvorland beförderten, wo sich damals noch ein Nebenarm des Mittelmeers befand. Schicht um Schicht, Meter um Meter, ja kilometerhoch türmten sich die Geröllablagerungen und wurden von ihrem eigenen Gewicht verdichtet und zu einem stabilen Gestein verbacken.

Botanisierbüchse von Johann Konrad Rehsteiner

Diese Botanisierbüchse hat den Besitzer auf seinen vielen botanischen Streifzügen begleitet haben. Pfarrer Johann Konrad Rehsteiner (1797 – 1858) war nicht nur ein geschätzter Seelsorger, sondern auch ein leidenschaftlicher Botaniker. Damit ihm mehr Zeit für die Pflanzenkunde blieb, wechselte er sogar die Stelle. Er zog vom umtriebigen Teufen weiter nach Eichberg im Rheintal, wo er bis zu seinem Tod eine beschauliche Landgemeinde betreute. Seine Briefwechsel und der Pflanzentausch mit den angesehensten Botanikern reichten von Mexiko bis Australien.

Arvicola scherman (Gebirgsschermaus)

Schermäuse gelten seit je her als Schädlinge und werden heute noch stark mit Fallen verfolgt. Bei diesem Objekt aus unserer Sammlung handelt es sich um eine kleinere, in den europäischen Bergen isolierte Art. Sie legt in Wiesen und Weiden grosse Baue an und ernährt sich vorwiegend von Pflanzen, Wurzeln und Knollen. Dieses Exemplar wurde am 24. September 1909 in Wildhaus gefangen und wegen seiner auffälligen Albino-Färbung von Ernst Heinrich Zollikofer (1859–1930) präpariert.

Sammlungsnummer: NMSG-V1294

Panthera pardus spelaea (Höhlenpanther)

Nach den erfolgreichen Höhlenbär-Grabungen im Wildkirchli leitete der damalige Museumsleiter Dr. Emil Bächler zwischen 1917 und 1923 Grabungen im 2’427 Meter über Meer gelegenen Drachenloch. Bei der kürzlichen Aufarbeitung des Materials kam 2020 ein weiterer Knochen eines Höhlenpanthers zum Vorschein. Der Vergleich mit einem heutigen Leoparden (links) zeigt, dass es sich um eine Elle (Vorderarmknochen) handelt.

Grüner Fluorit aus der Chobelwand

Fluorit ist nach Calcit das häufigste kristallbildende Mineral im Alpsteingebiet (Calciumfluorid: CaF2). Es gibt Fluorite in weissen, violetten, blauen, grünen und rosaroten Varianten. Bei der reichen Fluorit-Fundstelle Chobelwand im Kanton Appenzell Innerrhoden – im steilen Gelände zwischen dem Berggasthaus Äscher und dem Seealpsee gelegen – dominiert die grüne Variante. Die Kristalle werden hier bis zu wenigen Zentimetern gross und sind oft vielfach ineinander verschachtelt.

Sammlungsnummer: NMSG-M2731

Corvus monedula (Turmdohle)

Turmdohlen sind das kleinste Mitglied der Familie der Rabenvögel und fallen mit ihren hellblauen Augen besonders auf. Diese Albino-Turmdohle aus Gefangenschaft wies als zusätzliche Besonderheit eine ausgeprägte Weissfärbung auf. Nach ihrem Tod am 19. Oktober 1901 schenkte der Ornithologische Verein den Vogel dem Naturmuseum. Er wurde anschliessend von Ernst Heinrich Zollikofer präpariert. Der Bestand der Turmdohlen ist wegen zunehmender Zerstörung von Nistplätzen und dem Rückgang an Insekten als Nahrung um rund einen Drittel zurückgegangen. Heute wird in der Schweiz noch von rund 1000 Brutpaaren ausgegangen.

Sammlungsnummer: NMSG-V3145

Cretoxyrhina sp. (Hochsee-Hai)

2003 wurden von einem Wanderer auf dem Chäserrugg auf Platten des Seewerkalkes zahlreiche, grosse Haiwirbel entdeckt. Bei der Bergung einer grossen Platte wurden 2009 weitere Einzelwirbel gefunden und freigelegt. Sie stammen von einem rund 4 Meter langen, nahen Verwandten des Weissen Hais, der in der Hochsee lebt. Die grosse Platte ist im Ausstellungsteil «Leben im Wandel» zu sehen.

Sammlungsnummer: NMSG-F5782

Heliodines roesella

Ein Sammlungsstück mit langer Recherche: vor wenigen Jahren erhielt das Naturmuseum St.Gallen vom Bündner Naturmuseum zwei Falter, die von der damaligen Kuratorin als Heliodines roesella bestimmt wurden. Der für eine Zweitmeinung angefragte Mikrolepitopterologe Andreas Kopp stand der Bestimmung kritisch gegenüber, da es sich um eine Art handelte, die in der Schweiz seit 100 Jahren nicht mehr gesichtet worden war! Doch seine Recherche vor Ort bei Savognin bestätigte den sensationellen Fund. Beim gezeigten Objekt handelt es sich um eine Nachzucht der entdeckten Falter.

Lösskindl

Lösskindl oder «Osteokollen» sind knochenförmige Gebilde, die sich rund um Pflanzenwurzeln im sandigen Boden bilden und zwar dort, wo kalkhaltiges Wasser eindringt und den Sand über einige Jahrhunderte verfestigt. Der Name «Lösskindl» (manchmal auch «Lössmännchen» oder «Lösspuppe») kommt vom «Löss»: sehr feinem Sand oder Schluff, den die Gletscher der Eiszeit in einer Zone hinterlassen haben, die sich vom Westen Frankreichs quer durch Mitteleuropa bis tief nach Russland erstreckt. Der grau-beige Löss wurde dabei vom Wind verfrachtet und vielfach umgelagert. Er bildet heute die Grundlage für einige der fruchtbarsten Ackerböden Europas.

Betula humilis (Strauchbirke oder Niedrige Birke)

Die Strauchbirke oder Niedrige Birke ist die Mona Lisa der St.Galler Pflanzenwelt. Sie kommt in der ganzen Schweiz nur in einem einzigen Exemplar vor – dieses steht am Stadtrand von St.Gallen. Die Niedrige Birke ist ein bescheidener Strauch und wird nicht mehr als drei Meter hoch. Auch wenn sie bei uns eine Rarität ist, kommt sie europaweit doch nicht so selten vor, besonders im kontinentalen Eurasien, wo es feuchter und kühler ist. Sie liebt modrige Torfböden und gedeiht in Flach- und Hochmooren. Die St.Galler Strauchbirke ist ein Relikt aus der Eiszeit und erinnert daran, dass auch bei uns das Klima einst viel rauer war.

Sammlungsnummer: NMSG-P8383

Capra i bex ibex (Alpensteinbock)

Bei diesem Sammlungsobjekt handelt es sich um die Urmutter der Schweizer Steinbock-Population nach der Ausrottung Ende des 19. Jahrhunderts. Die Wiederansiedlung des Alpensteinbocks liest sich wie ein Krimi. 1906 kamen die ersten im Aostatal gestohlenen Kitze in den Wildpark Peter und Paul nach St.Gallen. Darunter war auch dieses Weibchen, welches im Wildpark mehrere Jungtiere zur Welt brachte. Diese wurden später im Wildbanngebiet der Grauen Hörner im Weisstannental ausgesetzt. Dank der grossangelegten Wiederansiedlung liegt die Zahl der Steinböcke in der Schweiz mittlerweile wieder bei rund 17’000 Exemplaren.

Sammlungsnummer: NMSG-V7656

Naturmuseum St.Gallen
Rorschacher Strasse 263
CH-9016 St.Gallen
071 243 40 40
E-Mail

Eintrittspreise

CHF 12.– Erwachsene
CHF 10.– Gruppen ab 8 Personen sowie AHV/IV-Berechtigte mit Ausweis
CHF 6.– Auszubildende und Studenten

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr.
Mittwoch bis 20 Uhr

Details zu den Öffnungszeiten

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