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175 Jahre Naturmuseum – 175 Objekte online entdecken

Das Naturmuseum feiert dieses Jahr seinen 175. Geburtstag! Als Geschenk wächst während 175 Tagen – vom 10.Juli bis zum Ende des Jubiläumsjahres – eine Online-Sammlung mit Objekten aus unseren acht Sammlungsbereichen heran. So lassen sich die grössten Schätze und ihre ganz eigene Sammlungsgeschichte Stück für Stück jeden Tag virtuell entdecken. Neben vielen Tierpräparaten sind dies Pflanzen, aber auch Gesteine und Fossilien. Viele davon gelangten schon vor über 100 Jahren in den Besitz des Museums.

Viel Vergnügen bei Ihrem Online-Rundgang durch unsere Sammlungen!

Fotos: Chris Mansfield

Baustellenfund?
In der Tiefe geboren
Völlig verirrt?
Uralter Fisch
Schweizer Goldstück?
Typisch Mittelland
Blumen aus der Büchse?
Einsamer Berggänger
Alter Panther?
Grün und regional
Schwarz oder weiss?
Wirbel mit Biss
100 Jahre vermisst?
Püppchen aus Stein
Relikt aus der Eiszeit?
Urmutter

Bos primigenius (Auerochse)

Bei Bauarbeiten für ein Gebäude auf dem St.Galler Marktplatz wurden 1961 in Schotterablagerungen die Reste eines Auerochsen gefunden. Dabei handelt es sich um die beiden Hörner, einzelne Zähne, einen Halswirbel und Reste eines Schulterblattes. Der Fund wurde auf ein Alter von rund 8’000 Jahren geschätzt. Auerochsen waren typische Bewohner der nacheiszeitlichen Wälder. 1627 starb der letzte Vertreter dieser Stammform des Hausrindes aus.

Calcit aus der Kristallhöhle Kobelwald

Die Kristallhöhle Kobelwald im St.Galler Rheintal ist bekannt für ihre schönen Calcit-Kristalle, die bis zu 50 Zentimeter Kantenlänge aufweisen können. Calcit ist die Kristallform des häufigen Minerals Kalk (Kalziumkarbonat: CaCO3). Calcit-Kristalle sind typischerweise milchig trüb und meist weiss, beige oder gelb. Calcit bildet sich in Höhlen und Spalten, wenn kalkreiches warmes Wasser abkühlt.

Sammlungsnummer: NMSG-M2566

Calidris fuscicollis (Weissbürzelstrandläufer)

Bei diesem Exemplar handelt es sich um ein sehr wertvolles Belegexemplar, welches am 12. Oktober 1860 bei Zürich gefunden wurde. Strandläufer sind dafür bekannt, dass sie im hohen Norden brüten und südlich des Äquators überwintern. Entsprechend legen sie weite Strecken zurück. Der Weissbürzelstrandläufer brütet in der Tundra Nordamerikas. Bei unserem Belegexemplar handelt es sich um einen Erstnachweis dieser Art in der Schweiz, der sich verirrt hatte. Erstaunlich ist, dass er damals als etwas Spezielles erkannt worden war und in Form eines Präparates für die Nachwelt erhalten blieb.

Sammlungsnummer: NMSG-V2367

Pristigenys spinosus (Knochenfisch)

Beim Schieferabbau im Glarner Sernftal wurden immer wieder Reste oder ganze Skelette von Knochenfischen gefunden. Die Sammlung des Naturmuseums St.Gallen besitzt über 100 dieser rund 40 Millionen Jahre alten Fossilien. Darunter befindet sich auch dieser Knochenfisch, der heute einen anderen Namen trägt und zu den Barschartigen gehört.

Podismopsis keisti (Schweizer Goldschrecke)

Die Schweizer Goldschrecke ist die einzige Heuschreckenart, die ausschliesslich in der Schweiz vorkommt. Ihre Erst-Entdeckung Ende der 1980er-Jahre durch Bruno und Lotti Keist war eine grosse Überraschung. Bisher gesichtet wurde diese stark bedrohte Art im Toggenburg und im Berner Oberland. Der Kanton St.Gallen hat Massnahmen für den Erhalt von Podismopsis keisti ergriffen.

Nagelfluh-Block

Nagelfluh ist das typische Gestein im Schweizer Mittelland. Dieses schöne Schaustück unbekannter Herkunft zeigt deutlich die charakteristische Rundung der einzelnen, darin enthaltenen Gerölle sowie die graue «Matrix», durch die sie verbunden sind. Entstanden ist die Nagelfluh, als in der Erdneuzeit vor 30 Millionen Jahren Flüsse grosse Mengen Geröll aus den sich bildenden Alpen ins Alpenvorland beförderten, wo sich damals noch ein Nebenarm des Mittelmeers befand. Schicht um Schicht, Meter um Meter, ja kilometerhoch türmten sich die Geröllablagerungen und wurden von ihrem eigenen Gewicht verdichtet und zu einem stabilen Gestein verbacken.

Botanisierbüchse von Johann Konrad Rehsteiner

Diese Botanisierbüchse hat den Besitzer auf seinen vielen botanischen Streifzügen begleitet haben. Pfarrer Johann Konrad Rehsteiner (1797 – 1858) war nicht nur ein geschätzter Seelsorger, sondern auch ein leidenschaftlicher Botaniker. Damit ihm mehr Zeit für die Pflanzenkunde blieb, wechselte er sogar die Stelle. Er zog vom umtriebigen Teufen weiter nach Eichberg im Rheintal, wo er bis zu seinem Tod eine beschauliche Landgemeinde betreute. Seine Briefwechsel und der Pflanzentausch mit den angesehensten Botanikern reichten von Mexiko bis Australien.

Arvicola scherman (Gebirgsschermaus)

Schermäuse gelten seit je her als Schädlinge und werden heute noch stark mit Fallen verfolgt. Bei diesem Objekt aus unserer Sammlung handelt es sich um eine kleinere, in den europäischen Bergen isolierte Art. Sie legt in Wiesen und Weiden grosse Baue an und ernährt sich vorwiegend von Pflanzen, Wurzeln und Knollen. Dieses Exemplar wurde am 24. September 1909 in Wildhaus gefangen und wegen seiner auffälligen Albino-Färbung von Ernst Heinrich Zollikofer (1859-1930) präpariert.

Sammlungsnummer: NMSG-V1294

Panthera pardus spelaea (Höhlenpanther)

Nach den erfolgreichen Höhlenbär-Grabungen im Wildkirchli leitete der damalige Museumsleiter Dr. Emil Bächler zwischen 1917 und 1923 Grabungen im 2’427 Meter über Meer gelegenen Drachenloch. Bei der kürzlichen Aufarbeitung des Materials kam 2020 ein weiterer Knochen eines Höhlenpanthers zum Vorschein. Der Vergleich mit einem heutigen Leoparden (links) zeigt, dass es sich um eine Elle (Vorderarmknochen) handelt.

Grüner Fluorit aus der Chobelwand

Fluorit ist nach Calcit das häufigste kristallbildende Mineral im Alpsteingebiet (Calciumfluorid: CaF2). Es gibt Fluorite in weissen, violetten, blauen, grünen und rosaroten Varianten. Bei der reichen Fluorit-Fundstelle Chobelwand im Kanton Appenzell Innerrhoden – im steilen Gelände zwischen dem Berggasthaus Äscher und dem Seealpsee gelegen – dominiert die grüne Variante. Die Kristalle werden hier bis zu wenigen Zentimetern gross und sind oft vielfach ineinander verschachtelt.

Sammlungsnummer: NMSG-M2731

Corvus monedula (Turmdohle)

Turmdohlen sind das kleinste Mitglied der Familie der Rabenvögel und fallen mit ihren hellblauen Augen besonders auf. Diese Albino-Turmdohle aus Gefangenschaft wies als zusätzliche Besonderheit eine ausgeprägte Weissfärbung auf. Nach ihrem Tod am 19. Oktober 1901 schenkte der Ornithologische Verein den Vogel dem Naturmuseum. Er wurde anschliessend von Ernst Heinrich Zollikofer präpariert. Der Bestand der Turmdohlen ist wegen zunehmender Zerstörung von Nistplätzen und dem Rückgang an Insekten als Nahrung um rund einen Drittel zurückgegangen. Heute wird in der Schweiz noch von rund 1000 Brutpaaren ausgegangen.

Sammlungsnummer: NMSG-V3145

Cretoxyrhina sp. (Hochsee-Hai)

2003 wurden von einem Wanderer auf dem Chäserrugg auf Platten des Seewerkalkes zahlreiche, grosse Haiwirbel entdeckt. Bei der Bergung einer grossen Platte wurden 2009 weitere Einzelwirbel gefunden und freigelegt. Sie stammen von einem rund 4 Meter langen, nahen Verwandten des Weissen Hais, der in der Hochsee lebt. Die grosse Platte ist im Ausstellungsteil «Leben im Wandel» zu sehen.

Sammlungsnummer: NMSG-F5782

Heliodines roesella

Ein Sammlungsstück mit langer Recherche: vor wenigen Jahren erhielt das Naturmuseum St.Gallen vom Bündner Naturmuseum zwei Falter, die von der damaligen Kuratorin als Heliodines roesella bestimmt wurden. Der für eine Zweitmeinung angefragte Mikrolepitopterologe Andreas Kopp stand der Bestimmung kritisch gegenüber, da es sich um eine Art handelte, die in der Schweiz seit 100 Jahren nicht mehr gesichtet worden war! Doch seine Recherche vor Ort bei Savognin bestätigte den sensationellen Fund. Beim gezeigten Objekt handelt es sich um eine Nachzucht der entdeckten Falter.

Lösskindl

Lösskindl oder «Osteokollen» sind knochenförmige Gebilde, die sich rund um Pflanzenwurzeln im sandigen Boden bilden und zwar dort, wo kalkhaltiges Wasser eindringt und den Sand über einige Jahrhunderte verfestigt. Der Name «Lösskindl» (manchmal auch «Lössmännchen» oder «Lösspuppe») kommt vom «Löss»: sehr feinem Sand oder Schluff, den die Gletscher der Eiszeit in einer Zone hinterlassen haben, die sich vom Westen Frankreichs quer durch Mitteleuropa bis tief nach Russland erstreckt. Der grau-beige Löss wurde dabei vom Wind verfrachtet und vielfach umgelagert. Er bildet heute die Grundlage für einige der fruchtbarsten Ackerböden Europas.

Betula humilis (Strauchbirke oder Niedrige Birke)

Die Strauchbirke oder Niedrige Birke ist die Mona Lisa der St.Galler Pflanzenwelt. Sie kommt in der ganzen Schweiz nur in einem einzigen Exemplar vor – dieses steht am Stadtrand von St.Gallen. Die Niedrige Birke ist ein bescheidener Strauch und wird nicht mehr als drei Meter hoch. Auch wenn sie bei uns eine Rarität ist, kommt sie europaweit doch nicht so selten vor, besonders im kontinentalen Eurasien, wo es feuchter und kühler ist. Sie liebt modrige Torfböden und gedeiht in Flach- und Hochmooren. Die St.Galler Strauchbirke ist ein Relikt aus der Eiszeit und erinnert daran, dass auch bei uns das Klima einst viel rauer war.

Sammlungsnummer: NMSG-P8383

Capra ibex ibex (Alpensteinbock)

Bei diesem Sammlungsobjekt handelt es sich um die Urmutter der Schweizer Steinbock-Population nach der Ausrottung Ende des 19. Jahrhunderts. Die Wiederansiedlung des Alpensteinbocks liest sich wie ein Krimi. 1906 kamen die ersten im Aostatal gestohlenen Kitze in den Wildpark Peter und Paul nach St.Gallen. Darunter war auch dieses Weibchen, welches im Wildpark mehrere Jungtiere zur Welt brachte. Diese wurden später im Wildbanngebiet der Grauen Hörner im Weisstannental ausgesetzt. Dank der grossangelegten Wiederansiedlung liegt die Zahl der Steinböcke in der Schweiz mittlerweile wieder bei rund 17’000 Exemplaren.

Sammlungsnummer: NMSG-V7656

Naturmuseum St.Gallen
Rorschacher Strasse 263
CH-9016 St.Gallen
071 243 40 40
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Eintrittspreise

CHF 12.– Erwachsene
CHF 10.– Gruppen ab 8 Personen sowie AHV/IV-Berechtigte mit Ausweis
CHF 6.– Auszubildende und Studenten

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr.
Mittwoch bis 20 Uhr

Details zu den Öffnungszeiten

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